Prequel, eine Ankünftigung

Eine Frau sitzt auf einem freischwingenden Stuhl. Sie hat das linke über das rechte Bein gezirkelt. Ihr Fuss, der in einem roten hochhackigen Schuh steckt, zeigt nach unten. Die in der Farbe des Schuhes lackierten Zehennägel ihres rechten nackten Fusses berühren den Linoleumfussboden. Neben der Ferse liegt der andere Schuh. Die Hacke ist abgebrochen und zeigt mit dem spitzen Ende in Richtung des Betrachters. Über dem Knöchel umreift ein goldenes Kettchen den Unterschenkel. Der schwarze Seidenstrumpf hat ein Loch, aus dem die in der Farbe des Schuhes lackierten Zehennägel obszön herauslugen. Der rechte Unterarm liegt auf dem linken Oberschenkel. Die linke Hand umfasst die Kniescheibe. Die Farbe der lackierten Fingernägel gleicht der Farbe der lackierten Fussnägel. Über den linken Ringfinger hat sie einen Diamantring gesteckt. Der Daumennagel ist eingerissen. Das Nagelbett ist entzündet. Hinter der blassen Hand befindet sich, nicht ganz verdeckt, ein grosses Loch im schwarzen Seidenstrumpf. Um die Oberschenkel pellt sich ein lederner Minirock. Am rechten Oberschenkel ist der Rock zurückgerutscht. Die Frau trägt Straps. Im freiliegenden Bauchnabel glitzert ein Hauch Strass. Ihr Oberkörper ist leicht vorgebeugt. Von den Schultern hängt eine seidene Bluse herab. Die Bluse ist nicht zugeknöpft und gibt den Blick auf den roten BH frei. Der rechte Arm ist angewinkelt. Ihre rechte Hand liegt auf dem linken Schulterblatt. Um den Schwanenhals hängt ein goldenes Kettchen. An dem Kettchen hängt ein Emblem. Darauf ist ein Adler zu erkennen, der eine Schlange in den Krallen hält. Das Kinn fliesst in einer eleganten Rundung in die gepuderten Wangen über. Die Ohrläppchen sind angewachsen. Die Farbe des sinnlichen Mundes gleicht der Farbe der Fingernägel. Die spitze Nase ist ihr einziger Makel. Das raffinierte Arrangement des Lidschattens lenkt geschickt davon ab. Die grünen Augen sind tollkirschenweit aufgerissen. Das Fragment der Augenbrauen besteht aus einem Strich. Ihr langes kupferrotes, nach rechts gescheiteltes Haar fällt glatt auf die Schultern herab. An der Schläfe befindet sich ein Einschussloch.

 

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Leseprobe: Zombies, Erzählungen von A.J. Weigoni. Edition Das Labor, Mülheim, 2010

Coverphoto: Weigoni-Porträt von Anja Roth

Erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de

Weiterfühend → Kultura-extra, nrhz, fixpoetry

Dies ist der Vorlauf zu einer Reihe mit Suchbildern aus den Novellen »Cyberspasz, a real virtuality«, die ab September wöchendlich auf KUNO erscheinen.