Die lyrische Reihe edition bauwagen

 

„Und ein gutes Gedicht, was immer das sonst sei, es ist eine zuschnappende Wortfalle. Dem Leser bleibt dabei die dankbare Doppelrolle: als Beute und als Jäger.“

Soweit Peter von Becker in seinem Nachwort zu Wolfgang Bächlers Liebesgedichten Ich ging deiner Lichtspur nach (S. Fischer, Frankfurt am Main 1988). Als einer, der gerne gute Gedichte jagt und sich anschließend von ihnen umgarnen läßt, habe ich in Zusammenarbeit mit dem Itzehoer Künstler und Kleinverleger Karl-Friedrich Hacker 1999 die lyrische Reihe edition bauwagen ins Leben gerufen, in der neben lyrischen Einzeltiteln in erster Linie die handgeschriebenen Anthologien erscheinen. Seit Hacker mit Traktor und Bauwagen nach Spanien reiste, existiert die edition bauwagen, deren künstlerisches Grundkonzept immer stärker die Verbindung von Bild und Wort geworden ist.

1998 oder Wie es dazu kam

Karl-Friedrich Hacker und ich begegneten uns 1998 auf dem Wege des Mail-Art-Assemblings YE, das ich seit 1993 ungefähr einmal im Jahr herausgebe. Wenige Wochen später beteiligte ich mich an Hackers in dessen edition bauwagen erscheinender Künstlerzeitschrift el mail tao. Der Künstler ließ sich von den Gedichten des Lyrikers anziehen, der Lyriker von den Bildern des Künstlers. So entstand die Idee eines gemeinsamen Künstlerbuches mit Gedicht und Graphik – Momentmale −, das im März 1999 erschien und gleichsam programmatisch vorwegnahm, was wir seitdem regelmäßig in Bücher verwandelt haben: Gedichte gepaart mit Graphik. Ein weiterer Band wurde locker angedacht und mit Selvagismo realisiert. Erst mit dem Entschluß, einen handgeschriebenen Sammelband herauszugeben, entstand die eigentliche Reihe. Seitdem geht es Schlag auf Schlag. Sechzehn Bände sind bis zum Sommer 2005 erschienen, jährlich ca. zwei bis drei, numeriert und signiert, mit Auflagen von 20 bis 49. Lyrische Einzeltitel und handgeschriebene Anthologien wechseln einander ab. Karl-Friedrich Hacker ist mittlerweile für die komplette (buch-)künstlerische Gestaltung zuständig: Bleisatz und Handdruck, originale Graphik im Innenteil, Buchdeckel mit Originaldruck, Bindung usw., während ich die jeweiligen Editionen als Herausgeber betreue. Ziel der handgeschriebenen Anthologien ist, im Laufe der Jahre ein möglichst umfassendes Kompendium poetischer Autographen zusammenzutragen. Die lyrische Reihe in Karl-Friedrich Hackers edition bauwagen leistet auf diese Weise ihren eigenwilligen Beitrag zur lebendigen Vielfalt der deutschsprachigen Lyriklandschaft nach 2000.

 

 

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Weiterführend Ein Essay über den Lyrikvermittler Theo Breuer.

Poesie zählt für KUNO zu den identitäts- und identifikationstiftenden Elementen der Kultur

Poesie zählt für KUNO zu den identitäts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugt der Versuch einer poetologischen Positionsbestimmung. Um den Widerstand gegen die gepolsterte Gegenwartslyrik ein wenig anzufachen schickte Wolfgang Schlott dieses  post-dadaistische Manifest. Warum Lyrik wieder in die Zeitungen gehört begründete Walther Stonet, diese Forderung hat nichts an Aktualität verloren. Lesen Sie auch Maximilian Zanders Essay über Lyrik und ein Rückblick auf den Lyrik-Katalog Bundesrepublik. KUNO schätzt den minutiösen Selbstinszenierungsprozess des lyrischen Dichter-Ichs von Ulrich Bergmann in der Reihe Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne … und Schwerkraft. Gedanken über das lyrische Schreiben. Lesen Sie ein Porträt über die interdisziplinäre Tätigkeit von Angelika Janz, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ein Porträt von Sophie Reyer findet sich hier, ein Essay fasst das transmediale ProjektWortspielhallezusammen. Auf KUNO lesen Sie u.a. Rezensionsessays von Holger Benkel über André Schinkel, Ralph PordzikFriederike Mayröcker, Werner Weimar-Mazur, Peter Engstler, Birgitt Lieberwirth, Linda Vilhjálmsdóttir, und A.J. Weigoni. Lesenswert auch die Gratulation von Axel Kutsch durch Markus Peters zum 75. Geburtstag. Nicht zu vergessen eine Empfehlung der kristallklaren Lyrik von Ines Hagemeyer. Diese Betrachtungen versammeln sich in der Tradition von V.O. Stomps, dem Klassiker des Andersseins, dem Bottroper Literaturrocker „Biby“ Wintjes und Hadayatullah Hübsch, dem Urvater des Social-Beat, im KUNO-Online-Archiv. Wir empfehlen für Neulinge als Einstieg in das weite Feld der nonkonformistischen Literatur diesem Hinweis zu folgen.