Kurz, eine Geschichte, eine Kurzgeschichte!

A.J. Weigoni ist ein genialer Decouvreur von Alltagsmythen, ein Demonteur von Sprache auf hohem Niveau.

Wolfgang Schlott

Ähnlich einem Franz Kafka dessen Werk sich mit der Kraft auszeichnet Dissonanzen zu erzeugen, zeichnen sich auch die Erzählungen des A. J. Weigonis aus. Mit Zombies wird der Leser/ die Leserin in ein abgründiges Reich menschlicher Leidenschaften geführt. Mit Ohrenzwinkern reagiert der gewitzte Kenner/die Kennerin von Sprache auf hohem Niveau, die ganz einfach und in modernen Szenen gefasst daherkommt und Emotionen unterschiedlichster Art in Schwingungen versetzt, auf die „Bilder“ dieses Autors, der es gekonnt wie Kafka versteht, nicht die gelesenen Worte am Steuer sitzen zu lassen, sondern das was im Erleben damit ausgelöst wird, was in einen tieferen Zusammenhang gebracht wird. Obwohl beide Autoren ihre Erzählungen strukturiert darbieten, gestalten sie sich als sehr indifferent, was zu einer Ausgestaltung analogem Geschehens beim Leser /bei der Leserin führt. In der Natur der Literatur wie des Menschen ist die Wiederholung angelegt, zur Untersuchung von Wort und Sprache. Sprechen/erzählen heißt sich bewegen nicht nur mit dem Mund, so wie das „In-der-Sprache-sein“ gleichnishaft komplex und paradox eine Bewegung darstellt. Kurz, eine Geschichte, eine Kurzgeschichte!

 

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Zombies, Erzählungen von A. J. Weigoni, Edition Das La­bor, Mülheim an der Ruhr 2010.

Coverphoto: Anja Roth

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KUNO übernimmt einen Artikel von Karl Feldkamp aus Neue Rheinische Zeitung und von Jo Weiß von fixpoetry. Enrik Lauer stellt den Band unter Kanonverdacht. Betty Davis sieht darin die Gegenwartslage der Literatur, Margaretha Schnarhelt kennt den Ausgangspunkt und Constanze Schmidt erkennt literarische Polaroids. Holger Benkel beobachtet Kleine Dämonen auf Tour. Ein Essay über Unlust am Leben, Angst vor’m Tod. Für Jesko Hagen bleiben die Untoten lebendig.

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