Dichten als Form des Denkens

A.J. Weigonis VerDichtung ist die Suche nach dem Wort, der Versuch, jenseits des Geschwätzes, des alltäglichen Sprechens zu einer ursprünglichen Schicht des Sagens vorzudringen. In seinen Gedichten findet sich alles, was ästhetisch befriedigende Gedichte im 21. Jahrhundert ausmacht: klarsichthüllenklare Reflektion, Emotion, clever gesetzte Brüche; und all dies im richtigen Mischverhältnis.

Das Thema dieser Poesie ist das Nichterwartbare. Weigoni begreift das verdichtete Wort als ein Innehalten, als Möglichkeit, in einer sich ständig verändernden oder verwandelnden Wirklichkeit Atem zu holen, zu sich, zu den Dingen zu kommen. In Schmauchspuren komponiert er eine fließende Sprachmusik aus Wahrnehmungsfragmenten, indem er dem Buchstabenklang der alltäglichen Abläufe folgt: Geräusche, stetig wechselnde Bilder, Temperaturen – ein scheinbar ewiges Gleichmass, das sich unvermutet ins Unerträgliche steigern kann. Seine Poesie ist dort, wo sich die Räume der Dinge finden.

Dieser Lyriker liefert Denkstücke, die sowohl mit Formen und Silben, als auch mit Ideen und existenziellen Fragen spielen. Der Weg vom Notat zum Gedicht ist dem Stimmen eines Musikinstruments vergleichbar – nur dass diese Stimmgabel dazu dient, die Poesie Saite für Saite einzustimmen. Dieses Kompositum lotet eine Welt der Ungewissheiten aus, was Weigoni in diesem Buch zum Klingen bringt, ins nicht weit entfernt vom Tristanakkord. Seine komplexe Poesie entzieht sich wegen der harmonischen Undurchsichtigkeit einer einfachen Deutung.

 

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Schmauchspuren, Gedichte von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, Mülheim 2015 – Limitierte und handsignierte Ausgabe des Buches als Hardcover

Weiterführend →

Eine Übersetzung des Gedichts Ichzerlegung eines Wesensfallenstellers durch Lilian Gergely finden Sie im Literaturmagazin Transnational No.3 Würdigungen von Holger Benkel, rettungsversuche der literatur im digitalen raum, Christine Kappe, Ein Substilat, Jens Pacholsky, Hörbücher sind die herausgestreckte Zunge des Medienzeitalters, Sebastian Schmidts Der lyrische Mittwoch. Ein Essay über das akutische Gesamtwerk bei buecher-wiki. Und lesen Sie auch VerDichtung – Über das Verfertigen von Poesie, einen Essay von A.J. Weigoni über das Schreiben von Gedichten.

Akustische Umsetzungen finden Sie im Hörbuch Gedichte. Probehören kann man in der Reihe Metaphon die Schmauchspuren und das Monodram Señora Nada. Ebenda der Remix der Letternmusik. Das Original kann zum Vergleich hier gegenhören. Und außerdem die Live-Aufnahme der Prægnarien.

Eine limitierte Auflage des Hörbuchs Prægnarien von 50 Exemplaren ist versehen mit einer Originalgraphik von Haimo Hieronymus. Edition Das Labor, Mühleim an der Ruhr 2013

Bilder der Prægnarien-Performanmce von Philipp Bracht und A.J. Weigoni sind hier zu sehen. Ein Video von Frank Michaelis und A.J. Weigoni aus der Schwebebahn findet sich neben dem Schland aus Herdringen.

Die Aufnahmen sind in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über:info@tonstudio-an-der-ruhr.de