Ruckzuck

19. Januar 2013
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Im Rahmen ihrer Selbstkanonisierung führten die Kraftwerker ihre acht elektronischen Alben in der Düsseldorfer Kunstsammlung in einer historisch-kritischen Werkausgabe auf. „12345678“ lautet diese Werkschau, die vom MOMA übernommen worden ist und an die Londoner Tate Modern weitergereicht wird. Mit der Werkgetreuen aufführung scheint die Musealisierung der Popmusik  abgeschlossen.

Bücher sind Särge für die Literatur und Museen Leichenhallen für die Kunst, postulierte Hans-Jürgen Bulkowski in den 1960-er Jahren. Dies eingedenk hatte ich zum Geburtstag von Weigoni Karten für das Kraftwerk–Konzert besorgt, diese waren zwar streng limitiert, aber mit 50 Euro nicht übermässig teuer.

Hinter einer 3D–Brille durften wir uns retrofuturistisch vergegenwärtigen, wie die Kraftwerker eine Zukunft erfunden haben, die niemals eingetreten ist. Und nun hält das das verbliebene Gründungsmitglied Ralf Hütter mit eisener Faust an ihr fest. Dabei übergeht er geflissentlich die ersten drei Alben Kraftwerk 1 + 2 sowie Ralf + Florian. Diese Frührwerke werden nicht aufgeführt und dürfen auch nicht mehr als CD oder Schallplatte wiederveröffentlicht werden. Mir erscheint der wenig souveräne Umgang mit eigenen Vergangenheit als wenig schlüssig, weil das museale Konzept einer Werk–Retrospektive das eigene Werk ernster nehmen sollte.

War’ja ganz nett, aber dat einzichste Stück von denen, was Relevanz hat, bleibt Ruckzuck, schnodderte Weigoni bei einem lekker Obergärig im Füchschen. Dem hatte ich nichts mehr entgegenzusetzen.

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