Am Knöpfchen drehen, Klangklötzchen schieben

20. Juli 2012
Von

Music comes from composers – not musicians.

Frank Zappa

Seit 1981 ist Tom Täger an Produktionen mit Tom G. Liwa, Die Regierung, His Girl Friday, Die Sterne, MissFits, Comalounge, Combos aus der Weltmusik, Life-Mixen für Musicals an der Folkwangschule Essen, u.a. beteiligt. Mit großer Kompetenz und menschlicher Wärme betreut Tom Täger “Behinderte und Bekloppte” sowie exzentrische Künstlerpersönlichkeiten.

 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte „Seine größten Erfolge“. Produziert von Helge Schneider und Tom Täger im Tonstudio/Ruhr.

Der Minnesänger Ludmillus

Nach der Produktion von Helge Schneiders Hörspielen folgten Hörbuchproduktionen mit dem Minnesänger Ludmillus, der seit 1994 die Herzen seines Publikums mit mittelalterlicher Musik und galanter Unterhaltung erfreut. Der Barde pflegt die hoch ritualisierte Form der gesungenen Liebeslyrik. Die Tradition seines Liedgutes reicht zurück in das Jahr 1150. Die im Minnesang gepflegte Version des Hochdeutschen ist der Versuch einer ersten gesamtdeutschen Literatursprache. Der neuzeitliche Barde reist mit seiner Cister “Nelly” und drei Hörbüchern im Gepäck durch die Lande, auf daß sowohl dem einfachen Volk, als auch den Edelleuten in Nah und Fern die Augen und Ohren offen stehen bleiben. In der Tradition von Walther von der Vogelweide singt Ludmillus Lieder der gleichberechtigten Liebe oder schildert erotische Erlebnisse. Im Kreuzlied kontrastiert der Sänger einen bevorstehenden oder erlebten Kreuzzug, also seinen Dienst an Gott, mit seinem Frauendienst. Im Frauenlied wiederum wird der Minnedienst aus der Sicht der angebeteten Frau betrachtet. Sie nimmt den Minnedienst entgegen und drückt ihr Bedauern aus, daß sie ihn – natürlich – zurückweisen muß. Das ‚dramatisch‘ angelegte Tagelied schließlich schildert das fiktive Liebespaar beim Morgengrauen vor der unvermeidlichen Trennung. Ludmillus ist Haus- und Hofbarde auf dem “Lager der Spiel- und Handwerksleut’” des renommierten Mittelalterveranstalters “Kramer, Zunft und Kurzweil”. Er spielte auf Burg- und Schlossfesten, sowie historischen Stadtfesten im ganzen Land (Reichsburg Cochem, Burg Hohenzollern, Klostermarkt Northeim…), und seit Anno Domini 1999 gehört er zur erlesenen Schar jener, die jährlich zum Bardentreffen auf die Marksburg eingeladen werden. Diese Auftritte wurden mit dem Hörbuch »Live« eindrucksvoll dokumentiert.

Trivialmythen

„Was heute noch wie ein Märchen klingt…“

1995 begann die Zusammenarbeit mit A.J. Weigoni, der sich seit langem mit Trivialmythen beschäftigt, die sich in Groschenheften, in der Schlagermusik, im Kino und in Fernsehserien manifestierten. Als Medienautor ist A. J. Weigoni ein Spieler, den die technischen Entwicklungen der Medien faszinieren, weil sie schier unendliche Möglichkeiten der Neuordnung von Formen und Zeichen eröffnen. Tom Täger hat gleichfalls ein Faible für Trivialmythen. Seine vielgestaltige Arbeit als Musiker und Produzent im Tonstudio an der Ruhr läßt sich exemplarisch an der Produktion RaumbredouilleReplica darstellen. „Was heute noch wie ein Märchen klingt…“ – so haben sich die Deutschen in den 60–er Jahren des 20. Jahrhunderts die Zukunft vorgestellt, als militärischen Staat, in dem die Akteure in einem Rhythmus reden, der sich als Vorläufer des Raps hören läßt. „Es gibt keine Nationalstaaten mehr, es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien.“

Die RaumbredouilleReplica berücksichtigt die Anforderung des klassischen Sience-Fictions (Bedrohung der Erde, Rettung derselbigen) und ergänzt sie um Chiffren der Popkultur. Was für „Raumschiff Enterprise“ die Klingonen, waren die Frogs für „Raumpatrouille Orion“, der deutschen Science-Fiction-Serie mit Kultstatus und Heimwerkerappeal: Bügeleisen dienten dem hochtechnisierten Raumschiff als Schaltgeräte, und brennende Tennisbälle flogen durch die wolkenlose Weite des Himmels. Legendär auch das Raumfahrerkasino, in dem nach geglückter Mission zukunftsweisend Rücken an Rücken getanzt wurde. Die neu aufbereitete Tonspur dieses Straßenfegers hält ein weiteres ungeahntes Abenteuer mit Wolfgang Völz, Claus Holm, Charlotte Kerr u.v.a. bereit. Wie meinte Dietmar Schönherr nach bestandenem Abenteuer: „Rücksturz zur Erde“. Bei der Hörspielcollage RaumbredouilleReplica geht es in einer Invasion der Geistesgegenwart um alles: Die Bedrohung der Erde. Einen gesteuerten Schnellläufer. Eine Invasion und natürlich: Die Rettung der Erde. Selbstverständlich mit einem Humor, der Lichtjahre von der Spaß- und Eventkultur dieser Tage entfernt ist.

stream–of–consciousness

Die Produktion “Señora Nada” (auf dem Hörbuch »1/4 Fund«) provoziert mit einem stream–of–consciousness durch Inhalte und nicht durch Dolby–Surround. Darin begleitet Tom Täger die Schauspielerin Marina Rother mit einer Musik der befreiten Melodien. Seine Komposition zu “Señora Nada” ist durchsetzt von minimalistischen und improvisatorischen Erfahrungen, das Klangbild wird von experimentellen Klängen zu Trivialklängen in Bezug gesetzt. Die Vertonung ist rasch im Grundtempo. Crescendo– und Decrescendo–Verläufe schaffen fiebrig–erregte Ausdruckszonen wie die buchstäblich hervorbrechenden Forte– und Fortissimo–Attacken. Tägers Klanglichkeit bleibt Weigonis Exaltiertheit nichts schuldig. Es gibt Momente, da berühren sich Musik und Sprache, wie eine Fingerkuppe vorsichtig in eine gespannte Wasseroberfläche eintaucht, ohne sie zerstören zu wollen. Diese behutsamen Momente sind die Augenblicke, in denen für ein paar Takte kaum etwas zu hören ist. Es sind Sekunden von viel größerer Kraft als jedes Crescendo. Das Angebot, das in dieser Musik liegt, ist eine Herausforderung.

Wenn sich gegen Ende von »Señora Nada«, die Komposition zu einem leeren Quintklang zusammenzieht in der Pianissimo–Dynamik, haben die Takte dieses Hörstücks Welten an Ausdruck, Dynamik, Ambitus durchschritten. Man weiß es nicht so genau, ob die Ruhe nach dem Sturm nachklingt oder eine im statischen Quintklang erstarrte Erschöpfung. Die Vertonung Tom Tägers fügt sie – mit allen Kontrasten von Tempoverläufen, Klangdichten, dynamischen Abstufungen – über die Wortbedeutungen hinweg zu einer einleuchtenden Zyklik. Die Klänge und Strukturen sind eigenartig: ähnlich und doch immer wieder neu, streng und doch offen. Das Zuhören führte an ein Zeitempfinden heran, wie es in dieser Weise selten zu erleben ist. Jedes Kunstwerk erinnert an den Geist und die Erweiterbarkeit des menschlichen Horizonts. Jedes bedeutende Werk hat das Bewußtsein geöffnet und nicht einfach nur die öffentliche Nachfrage nach Schönheit bedient.

Tägers unermüdlicher Forschergeist

Die Papier-Komposition zum Monodram »Unbehaust« handelt vom unermüdlichen Tägerschen Forschergeist, von der ewigen Suche nach unverbrauchten Ausdrucksformen. Tom Täger hat versucht, die Form des Monodrams, die Gedanken der Hauptfigur auf musikalische Verhältnisse zu übertragen und generiert mit seiner Komposition zu »Unbehaust« eine subtile Kongruenz von Wort–Ton–Bezügen. Die Anlage der Papier–Collage ist schlicht und raffiniert zugleich. Tempomäßig und im Grundcharakter stiftet sie eine Bogenform. In den Zeitdauern ist sie ansteigend, die dynamisch intensivste Stelle steht etwa in der Mitte. Die Komposition ist durchgeformt. Das Tonmaterial kombiniert mit Papiergeräuschen und Komplementärakkorden, wird stringend ausgeführt. Ein Zug des Schweifenden, des locker Gelösten ist diesem Hörstück eigen, das von Bibiana Heimes als Sprecherin gestaltet wird. Ihre gezackte Rezitation ist rasch als Parodie auf Rene Polesch Vokalstil zu verstehen. Sie gilt als Verrückte – oder mimt zumindest eine exaltiert Abgehobene. In ihren poetopathologischen Aufzeichnungen kämpft Bibiana Heimes als Patientin Jo Chang gegen das Vergessen, das Verlassenwerden, die Gesellschaft, Gott, und den Tod. Die seelischen Grenzüberschreitungen, die das lyrisches Monodram thematisiert, vollzieht es formal in der Aufhebung der Gattungsgrenzen nach. Es wird ganz ohne Psychologie erzählt, eher als Status quo eines Experiments. Sie ist auf der Suche nach ihrem Ursprung und findet Einzelteile einer versprengten Existenz. Das Langgedicht handelt nicht nur von großer Not, es ist auch selbst in Not. Mit schlankem Federstrich zeigt die asiatische Emigrantin die Neurosen und die Zerstörtheit der westlichen Warenwelt auf. Sie scheint mit den Worten zu schweben: eine Sprechmusikerin.

Tom Täger gilt zu Recht als Hörspielkomponist. Er braucht zur Darstellung seiner Klang–Farben– Vorstellungen die Vielfalt der Instrumentalpalette. Seine Kompositionen sind nicht bloße Begleitung, sondern strukturell und diskpositiv ebenso gewichtig wie die Sprecherstimmen. Der Mülheimer hat im Terrain der Musik stets die schwierigen, scheinbar unbegehbaren Routen oberhalb der Baumgrenze gewählt. Man glaubt beim Hören schrundiges Felsgestein unter den Füßen zu spüren. Erkaltete Lavaboasen und schwarzes Geröll, scharfkantige Krater und gähnende Erdspalten; er assoziiert Reliefstrukturen mit dem Rumoren des Papiers, fauchende Fumarolen mit tonlosen Anblasgeräuschen. Tägers Musik hat keinen illustrativen Charakter. Seine Klanglandschaften in »Unbehaust« sind abstrakt und trotzdem von eindringlicher Bildhaftigkeit.

Zu Wort kommen lassen

Bei dem O-Ton-Hörspiel Zur Sprache bringen… machen „Menschen mit Möglichkeiten“ Sprache als Geschichte sichtbar, als ihre Geschichte. Sie verfügen über ein individuelles Repertoire, das einer besonderen, einfühlsamen Begleitung und Förderung bedarf. Diese Kreativen verfeinern übend, erforschend ihren Umgang mit den Mitteln Artikulation und Musik. Täger und Weigoni haben einen eigenen Stil der literarischen Collage entwickelt. Sie zeichnet die die Lebenswelten dieser Menschen und in Demut und Grosszügigkeit nach und verleihen deren Leid und deren Leidenschaften Ausdruck. In ihrer überwältigenden Mehrheit strahlen die Bewohner des Benninghofs eine lebensbejahende spielerische Fröhlichkeit aus, eine enorme Vielfalt, Erfindungsreichtum und erfrischende Unbekümmertheit.

Diese Collage ist ein Platz für Geschichten außerhalb normierter Sprachregularien, ein Oszillieren zwischen Eigenart und Eigensinn. Man muß diese Menschen lieben, um in das eigentümliche Wesen jedes Einzelnen einzudringen, es darf einem keiner zu gering, keiner zu häßlich sein, erst dann kann man sie verstehen. Es geht nicht darum, auf der Armseligkeit der Menschen herumzutrampeln und sich über sie lustig zu machen. Sondern eher darum, das wahre Leben abzubilden und zu zeigen, welche liebenswürdigen, tragikomischen Seiten das so genannte einfache Leben haben kann. Die Bewohner des Benninghofs sind interessant, weil sie anders sind als man selbst oder die Menschen, mit denen man zu tun hat. Und in ihrer Andersheit sind sie den „Normalen“ in manchem doch gleich. Das verbindet. Die O-Ton-Collage mit Bewohnern des Benninghofs zeigt einen Einblick in den Alltag behinderter Menschen. Diese „Menschen mit Möglichkeiten“ versuchen den schweren Dingen Leichtigkeit zu geben und die Wortfolge: Selbstbestimmung, Assistenz und Integration mit Inhalt zu füllen, ohne daß der Zuhörer auf den Spaß verzichten muß. Und dieser Spaß geht nicht etwa auf Kosten der behinderten Menschen, sondern transportiert sich mit ihrer Hilfe.

Die Zurückhaltung von Tom Täger bei dieser Hör-Collage »Zur Sprache bringen…« weist ihn als Produzenten aus, der eine avancierte digitale Tontechnik nicht als Selbstzweck vorführt, sondern sich in vornehmer Zurückhaltung ganz in den Dienst einer Arbeit stellt, ohne ganz dahinter verschwinden.

Für Tom Täger ist das Tonstudio an der Ruhr eine Maschine ohne Erinnerung, ein Archiv reiner Jetztzeit, das dazu benutzt wird, den einzelnen Momenten ihr jeweiliges Eigengewicht zu belassen. In der Welt der Kratz– und Fauchgeräusche kennt sich er besser aus als andere. Weil Tom Täger sich als Produzent, Lehrer und Musiker nie zufrieden gibt mit dem, was er kann, entdeckt man in seinen jüngeren Werken einen verwandelten Ton, wie in der Komposition zu »Blutrausch«. Darin finden sich die bewährten kompositorischen Strategien: Es gibt raffiniert ertüftelte Resonanzwege der Klänge vom elektronischen Klangerzeuger in den offenen Flügel, ein Scharrkonzert der subtilen Geräusche mit Stöckchen, die über die Kante einer Holzkiste gestrichen werden, und Riffelstäben, die Marimbazungen tremolieren lassen. Ein prägnanter Lakonismus des Ausdrucks kennzeichnet dieses Klangfarbenstück. Der letzte Ton, so scheint es, ist noch nicht gesetzt.

Der Sound der Cranger Cirmes

»Blutrausch«, das die im Ruhrgebiet „weltberühmte“ Cranger-Kirmes als Handlungsort wählt. Jacqueline, die Hauptfigur ist die Manifestation eines ‚Verbrechertypus‘, der erst durch die Globalisierung entstehen konnte: ein sich selbst entfremdeter Mensch, der in der Anonymität der Großstadt seine Psychopathien ausleben kann. Verstrickt in scheinbar durchschaubare Konflikte betritt sie die Bühne Cranger-Kirmes. Diese Figur, quasi als Untote, durchschaut die Zukunft der Menschen, die mit ihr, fast zufällig, über die Tatorte schlendern. Sie weiß um die Schicksale, die sie ihren Opfern beschert. Es gibt bei der Komposition zu »Blutrausch« unüberhörbare Verflüssigung des Klanggeschehens im Vergleich zu früheren Stücken, einen Schwung mit eloquent sprudelnden Tonfolgen, einen mitunter fast ins Linkshändige gewendeten Elan. Etwas Entfesseltes wirkt in diesem rasant dahingehenden neuen Stück.

Schwelgerische Melancholie

„Akustische Maske“ nannte Elias Canetti das Prinzip, Figuren durch ihre Sprache plastisch werden zu lassen. A.J. Weigoni und Tom Täger püren der Sprache in den »Vignetten« vor allem als akustischem Phänomen nach. Aus einem musikalischen Einfall heraus entwickelt Täger ein 24teiliges Stück. Der Hörspielkomponist verarbeitet das Thema dabei unterschiedlich, in Sequenzen, Transpositionen und Diminutionen kommen seine Inventionen zu den Vignetten daher. Kontraste sind für Tom Täger selbstverständlich, die schwelgerische Melancholie gedeiht direkt neben krassen Dissonanzen, und die Intensität des Schrillen verstärkt diejenige des Stillen. Seine Komposition lebt von Polymetriken und Polyphonien. Die Vertonung Tägers fügt sie – mit allen Kontrasten von Tempoverläufen, Klangdichten, dynamischen Abstufungen – über die Wortbedeutungen hinweg zu einer einleuchtenden Zyklik. Die Klänge und Strukturen sind eigenartig: ähnlich und doch immer wieder neu, streng und doch offen. Das Zuhören führte an ein Zeitempfinden heran, wie es in dieser Weise selten zu erleben ist. Oft gibt es das Missverständnis, Energie gleich Lautstärke. Intensität steckt auch in extrem ruhiger und gleichförmig fließender Energie, quasi im Nichts. In der Hörspielmusik dieses Soundtüftlers gibt es extrem leise Stellen. Und trotzdem ist da unentwegt ein Energiefluss spürbar, es brodelt etwas.

Bei der Umsetzung der »Vignetten« möchte man jedem einzelnen Wort hinterher lauschen. Hier entsteht etwas, das am ehesten als eine Art assoziativer Klangraum bezeichnet werden könnte, ein schwer zu fassendes Phänomen, das eng mit der offensten aller Künste, der Musik, verwandt ist.

Zentral für Täger sind Stimme und Sprache, es geht dem Hörspielkomponisten nicht um ein Abbildungsverhältnis, sondern eher um einen strukturellen Ausgangspunkt, um ein Material, mit dem er experimentiert. Dann entstehen oft kleinere Stücke, die sich zu einem größeren Stück zusammensetzten, wie etwa beim Kompositionszyklus »Vignetten«. Täger setzt sich nicht mit Papier und Bleistift vor ein Blatt Notenpapier, schreibt Musik und denkt darüber nach; er ist ein Praktiker, der Instrumente spielt und in seinem Tonstudio an der Ruhr einen Klang erzeugt und Tonfolgen erfindet. Die Musik ist in einem Hörspiel Dienerin und Herrin zugleich.

Götter in Weiß – kohlrabeschwarzer Humor

Wie es den Glimmer-Twins der Hörspielszene bei ihrem räudigen Werk gelungen ist, die vom Volker Förster verantwortete Trilogie „Götter in Weiß“ ist zudem hörenswert. Diese Kompositionen sind nicht bloße „Begleitung“, sondern strukturell und diskpositiv ebenso gewichtig wie die Sprecherstimmen. Försters Klanglandschaften sind von eindringlicher Bildhaftigkeit. Seine Hörstücke sind ein Gegenentwurf zu den Prolo–Komödien, die als ungeschönte Milieubilder daherkommen, letztlich aber nur Freakshows sind, die statt Menschen Witzfiguren zeigen. Diese »Zombies« dagegen wissen durch alle Skurrilitäten und Absurditäten die Würde ihrer Protagonisten zu verteidigen. Sie suchen Wahrhaftigkeit, Menschlichkeit und finden einen Spiegel für ihre Gefühle. Das Lächeln über sie ist immer empathisch, nie abfällig.

Das Hungertuch

Täger ist es gelungen, dem Genre Schundliteratur eine ästhetische Dimension abzugewinnen, er gibt so der Sprache der Straße im 21. Jahrhundert eine künstlerische Form. Dafür wurde er unlängst mit dem Künstlerpreis Das Hungertuch ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wird an Künstler verliehen, die mit experimentellem Pioniergeist im 21. Jahrhundert neues künstlerisches Terrain betreten. Besonderes Interesse gilt bei diesem Künstlerpreis der Verschmelzung unterschiedlicher Genres wie Sprache, Sound, Installation, bewegten und eingefrorenen Bilder.

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Die erwähnten Produktionen sind in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de

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