An der Neige

20. Juni 2015
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In seinen Rede– und Suchgedichten konzentriert sich A.J. Weigoni seit der Letternmusik beim Rezitieren auf die nackte Stimme. Die stimmliche, sprechtechnische sowie akrobatische Virtuosität, mit der er zu Werke geht, erzeugt gleichsam ein Textkonzert, die Partitur ist Sprache. Tom Täger stellt sie auch bei dieser Aufnahme im Tonstudio an der Ruhr in den Vordergrund. Gleichzeitig löst sich Sprache in den Gedichten in ihre Einzelheiten auf. Dieser Sprechsteller hat beim Schreiben das Hören im Blick und beim Sprechen das Auge im Ohr.

Tom Täger gilt zu Recht als Hörspielkomponist. Er braucht zur Darstellung seiner ‘Klang. Farben. Vorstellungen.’ die Vielfalt seiner Instrumentalpalette. Tägers Kompositionen sind nicht bloße Begleitung, sondern strukturierend und dispositiv – ebenso gewichtig wie die Sprecherstimme; seine Musik hat keinen illustrativen Charakter. Die Klanglandschaften sind in der Komposition An der Neige abstrakt und trotzdem von eindringlicher Bildhaftigkeit. Dies transformiert sich weiter durch Haimo Hieronymus, der das Cover verantwortet, dieser Künstler mag das Individuelle des Strichs, empfindet im Glattgebügelten reiner Ideenkunst beliebige Langeweile und gähnende Austauschbarkeit.

Auch der Name Manuel Quero steht für Aufbruch und Innovation. Statt das Publikum als Kunstdabnehmer zu behandeln, lädt er zur Teilhabe an einem Experiment ein. In der Werkstattgalerie Der Bogen steht die Uraufführung An der Neige an. Hinter der Vielzahl der Akteure und Ereignisse verbergen sich Strukturen, die sie hervorbringen, und die sich mit Pierre Bourdieu als ‘künstlerisches Kräftefeld’ bezeichnen lassen. Dieses spannt sich zwischen den Polen einer poetischen und einer klanglichen Aufzeichnungslogik auf und geht über in den Drang sich zu bewegen. Es gelingt dem Choreographen, die abstrakte Formensprache mit leidenschaftlicher Expressivität aufzuladen.

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Uraufführung am 20. Juni 2015 ab 20:00 Uhr in der Werkstattgalerie Der Bogen. Zu diesem Anlaß erscheint eine CD.

Gedichte, Hörbuch von A.J. Weigoni, Edition Das Labor, Mülheim 2015

Probehören kann man in der Reihe Metaphon die Schmauchspuren und das Monodram Señora Nada. Ebenda der Remix der Letternmusik. Das Original kann zum Vergleich hier gegenhören. Und außerdem die Live-Aufnahme der Prægnarien.

Eine limitierte Auflage des Hörbuchs Prægnarien von 50 Exemplaren ist versehen mit einer Originalgraphik von Haimo Hieronymus. Edition Das Labor, Mühleim an der Ruhr 2013

Bilder der Prægnarien-Performanmce von Philipp Bracht und A.J. Weigoni sind hier zu sehen. Ein Video von Frank Michaelis und A.J. Weigoni aus der Schwebebahn findet sich neben dem Schland aus Herdringen.

Die Aufnahmen sind in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über:info@tonstudio-an-der-ruhr.de

Further reading →

Würdigungen von Holger Benkel, rettungsversuche der literatur im digitalen raum, Christine Kappe, Ein Substilat, Jens Pacholsky, Hörbücher sind die herausgestreckte Zunge des Medienzeitalters, Sebastian Schmidts Der lyrische Mitwoch. Ein Essay über das akutische Gesamtwerk bei buecher-wiki. Und lesen Sie auch VerDichtung – Über das Verfertigen von Poesie, einen Essay von A.J. Weigoni über das Schreiben von Gedichten.

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Erster Logo-Entwurf für die Edition Das Labor von Peter Meilchen.

In eigener Sache

Das Magazin Kulturnotizen (KUNO) reflektiert entstehende Kunst, Musik und Poesie – mit Online-Archiv. Mehr Informationen.

Das lyrische Gesamtwerk von A.J. Weigoni im "Schuber"

Jedes Buch aus dem „Schuber“ von A.J. Weigoni ist ein Sammlerobjekt. Und jedes Titelbild ein Kunstwerk! KUNO fasst die Stimmen zu dieser verlegerischen Großtat zusammen.

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Zum Thema Künstlerbücher finden Sie hier einen Essay sowie einen Artikel von J.C. Albers.

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Vertiefend zu ‚Alphabetikon‘ lesen Sie bitte das Kollegengespräch mit Haimo Hieronymus.

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Hier ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.

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