Mein Klassiker, Valentin Oman

20. September 2014
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Im Mittelpunkt des künstlerischen Gesamtschaffens von Valentin Oman steht der Mensch: Der Mensch in seiner Endlichkeit, in seiner Vergänglichkeit, in seiner Zeitlichkeit, in seiner Zeitlosigkeit. Der Mensch mit seinen Möglichkeiten zur Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung, aber auch zur seiner Selbstzerstörung. Der Mensch als Individuum, als ein in sich geschlossenes Ganzes, das jedoch ohne Berührung und Beziehung zu einem anderen – zum Du – nicht denkbar, nicht gestaltbar, nicht lebbar ist. Der Mensch mit seinen wesensbedingten, persönlichen, gesellschaftlichen Beziehungen und Konditionen, stets eingespannt zwischen normativen Zwängen und seiner Sehnsucht und seinem Drang nach Freiheit. Der Mensch, eingebunden in verschiedene Ordnungsschemata von zivilisations- und kulturbildenden Kräften, stets im Fluß der Zeit, von diesem mitgetragen, manchmal mitgerissen; auch in den Abgrund, in den Untergang, ins Vergessen, in die Zeitlosigkeit. Und doch ist über allem immer eines: das Wissen und die Gewißheit von einer großen universalen Einheit und Ordnung, deren Teil und Mitvollzieher der Mensch, die Menschheit ist, zu deren existentiellen Koordinaten sowohl Zeit und Zeitlosigkeit, Endlichkeit und Ewigkeit, Raum und Unendlichkeit (Universum) gehören.

Der Mensch – der ein Paradigma für den Menschen schlechthin ist – tritt uns in Valentin Omans Bilderwelt nicht klar und deutlich, nicht präzise, nicht individuell, nicht eindeutig, entgegen, sondern er zeigt und offenbart sich uns in seiner vielschichtigen Gestalt. Spuren führen zu ihm hin. Über eine schemenhafte, zu dechiffrierende Zeichensprache, die oft nur bruchstückhaft erhalten geblieben ist im Lauf der Zeit, die sehr persönlich und doch zeitlos gültig ist, gelangen wir zum Bild und zur Gestalt des Menschen und zu seiner Wirklichkeit. Die Botschaft aus Vergangenheit, erfahren in der Gegenwart, weist mahnend in die Zukunft: Der Mensch als ein Bedroher und Bedrohter zugleich, als ein Gefährdender und Gefährdeter, als ein Zerstörer und als Zerstörter.

Lebensgroß und stumm stehen sie vor uns, diese mahnenden Gestalten, als Sinnbilder wie aus einer längst vergangenen und schon vergessenen Zeit: Ritter, Helden, Krieger und Apostel jetzt als zeitlose Figuren. Sie alle schweigen und sind ohne Namen. Ihre Botschaft tragen sie in und mit sich. Sie sind apokalyptische Gestalten. Es ist, als seien sie dem Grab ent-stiegen, als hätte sie ein unbekannter Meister vor langer Zeit an einer Wand verewigt zum Gedenken. Sie tragen alle noch ihr eigenes Leben spurenhaft in sich. Sie sind umhüllt vom Blau der Nacht als Zeichen kosmischer Unendlichkeit und Ewigkeit. Sie sind durchglüht vom Rot als Zeichen einst durchbluteter Lebendigkeit. Sie sind durchsetzt von rostfarbenen Schichten als Zeichen der Vergänglichkeit, in der die Zeit ihr Werk tut, als Symbol für Verwittern, Vergessen, Verlöschen, Ver-schwinden. Und über allem liegt die Patina vom Grau der Asche als Zeichen von Vergänglichkeit und Tod.

Das ist das Bild des Menschen, das Valentin Oman uns enthüllt. Es ist ein Bild, das jenseits aller Grenzen und Verschiedenheit von personaler und gesellschaftlicher Wirklichkeit, auch jenseits aller Aktualität von zeitlichem Ereignis, uns allen gemeinsam ist: Es ist unser Selbstbildnis; das unwandelbare und unzerstörbare Bild des Menschen. Persönliches Leben und Schicksal, die Zeit und ihre Geschichte, Kulturen und Zivilisationen – das alles vergeht, verwittert, wird vergessen, verschwindet. Das alles ist (nur) Zeichensprache des Lebens. Was jedoch bleibt, das ist die zeitlose Botschaft der Unendlichkeit.

Valentin Omans Werk sind sichtbar von einem „Noch-Nicht-Wissen“, aber von einem aus den Bildern herauslesbaren und in Valentin Oman selbst begründeten, spürbaren Hoffen auf weitere, uns noch unbekannte Seinsmöglichkeiten, die über unsere uns begrenzende physische Existenz hinausreichen, durchwoben, ja davon geradezu stigmatisiert. Sie berühren uns und diese vielleicht vorhandene Seinsweise, ja sie verweisen bereits in ihrer Transparenz auf eine andere, zukünftige Welt, durch das Erscheinung von Gestalten eben wie aus dieser  und der in sich getragenen und von jener Jenseitigkeit und Mehrdimensionalität seines und jedes Menschseins, an die Oman vielleicht glaubt und auf die er hofft, die er als Möglichkeit und als zu unserer Seinsbestimmung zugehörig offen läßt. Und das muß man in dieser Offenheit und gleichzeitigen Ungewißheit so lassen, wie Oman es in jedem einzelnen Bild und in der Gesamtheit seiner Bilder- und Gedankenwelt mitteilt wird und ausdrückt.

Immer steht der Mensch im Mittelpunkt. Der Mensch in allen nur denkbaren, erlebbaren und erfahrbaren Variationen seines Seins, in allen nur möglichen Positionen seiner Selbsterfahrung und Selbsterfahrbarkeit. Er ist ein Mensch mit einem tiefen Gemüt. „Slawische Seele“ nennen das manche abwertend. Er ist offen und anfällig für Stimmungen, für das, was sozusagen in der Luft oder tief in ihm selber liegt, für Melancholie und Wehmut. Deshalb dieses in ihm und in seinen Arbeiten so stark ausgeprägte Bewusstsein der Vergänglichkeit, deshalb diese Zeichen und Spuren des Verfalls, aber als solche Spuren gelebten, einmal vorhanden gewesenen Lebens. Das ist für Oman Menschsein und Welt. Vergänglichkeit, in seiner Zeitlichkeit, in seiner Zeitlosigkeit – zwischen Selbstverwirk-lichung, aber auch Selbstzerstörung. Omans Präsentation des Menschlichen ist zeitgemäß und zeitlos zugleich – sein Interesse gilt der psychisch – menschlichen Agitation, dem menschlichen Tun, dem seelischen Auf und Ab des Einzelnen…Valentin Oman ist ein Künstler, der am „Menschenbild bis in die drohende, nah empfundene Katastrophe hinein festhält.“ Omans ikonographische Bildwelt zeigt die Vergänglichkeit des Figurativen auf.

Im Mittelpunkt des künstlerischen Gesamtschaffens von Valentin Oman steht der Mensch: Der Mensch in seiner Endlichkeit, in seiner Vergänglichkeit, in seiner Zeitlichkeit, in seiner Zeitlosigkeit. Der Mensch mit seinen Möglichkeiten zur Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung, aber auch zur seiner Selbstzerstörung. Der Mensch als Individuum, als ein in sich geschlossenes Ganzes, das jedoch ohne Berührung und Beziehung zu einem anderen – zum Du – nicht denkbar, nicht gestaltbar, nicht lebbar ist. Der Mensch mit seinen wesensbedingten, persönlichen, gesellschaftlichen Beziehungen und Konditionen, stets eingespannt zwischen normativen Zwängen und seiner Sehnsucht und seinem Drang nach Freiheit. Der Mensch, eingebunden in verschiedene Ordnungsschemata von zivilisations- und kulturbildenden Kräften, stets im Fluß der Zeit, von diesem mitgetragen, manchmal mitgerissen; auch in den Abgrund, in den Untergang, ins Vergessen, in die Zeitlosigkeit. Und doch ist über allem immer eines: das Wissen und die Gewißheit von einer großen universalen Einheit und Ordnung, deren Teil und Mitvollzieher der Mensch, die Menschheit ist, zu deren existentiellen Koordinaten sowohl Zeit und Zeitlosigkeit, Endlichkeit und Ewigkeit, Raum und Unendlichkeit (Universum) gehören.

Der Mensch – der ein Paradigma für den Menschen schlechthin ist – tritt uns in Valentin Omans Bilderwelt nicht klar und deutlich, nicht präzise, nicht individuell, nicht eindeutig, entgegen, sondern er zeigt und offenbart sich uns in seiner vielschichtigen Gestalt. Spuren führen zu ihm hin. Über eine schemenhafte, zu dechiffrierende Zeichensprache, die oft nur bruchstückhaft erhalten geblieben ist im Lauf der Zeit, die sehr persönlich und doch zeitlos gültig ist, gelangen wir zum Bild und zur Gestalt des Menschen und zu seiner Wirklichkeit. Die Botschaft aus Vergangenheit, erfahren in der Gegenwart, weist mahnend in die Zukunft: Der Mensch als ein Bedroher und Bedrohter zugleich, als ein Gefährdender und Gefährdeter, als ein Zerstörer und als Zerstörter.

Das ist das Bild des Menschen, das Valentin Oman uns enthüllt. Es ist ein Bild, das jenseits aller Grenzen und Verschiedenheit von personaler und gesellschaftlicher Wirklichkeit, auch jenseits aller Aktualität von zeitlichem Ereignis, uns allen gemeinsam ist: Es ist unser Selbstbildnis; das unwandelbare und unzerstörbare Bild des Menschen. Persönliches Leben und Schicksal, die Zeit und ihre Geschichte, Kulturen und Zivilisationen – das alles vergeht, verwittert, wird vergessen, verschwindet. Das alles ist (nur) Zeichensprache des Lebens. Was jedoch bleibt, das ist die zeitlose Botschaft der Unendlichkeit.

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In der KUNO-Reihe “Mein Klassiker” würdigte A.J. Weigoni das 2:1 der wahren B’russia gegen den EffCeh. Enno Stahl Big New Prince von The Fall. Matthias Hagedorns Würdigung ging an die Fernsehserie Raumpatrouille. Ulrich Bergmann näherte sich The Hollow Man von T.S. Eliot an. Über den dezidiert politisch arbeitenden Peter Paul Wiplinger lesen Sie hier eine Würdigung.

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