Metaphysische Schwere trifft auf ironisch gebrochene Schwermut

Und stelle fest, dass ich in Wirklichkeit nach unten gleite,

tiefer und tiefer.

 

Nichts, was in der Poesie von Traian Pop keinen Platz fände: die eigene Biografie, da sind Orte, allen voran Kronstadt, und da ist die Dichtung, die zur poetologischen Reflexion herausfordert. Er interessiert sich dafür, wie Körper und Sprache und Sprachkörper sich zueinander verhalten. Pop ist ein Autor, der erzählt und reflektiert, der biografische und topografische Räume eröffnet.

„Tut Dichtung eigentlich weh? Ist Schmerz nicht … fester Bestandteil eines Gedichts?“ fragt Traian Pop in seinem Stück Schöne Aussichten. Er versteht es, Landschaften zu evozieren und gleichzeitig das Ich in Relation zu ihnen zu setzen. Es geht um ein dialogisches Verhältnis, das Licht auf beide wirft, wobei die Wahrnehmung ebenso auf das Gesehene einwirkt wie das Gesehene auf das sehende Subjekt.

„Traian Pops Stück ist eine konsequent säkularisierte Tragödie, die Aufhebung des Tragischen im Komischen, im Absurden“, schreibt Ulrich Bergmann über Schöne Aussichten.

Autor, Verleger, Netzwerker

Auch als Verleger zeigt Traian Pop ein gutes Gespür für starke Manuskripte: Mit Büchern wie Francisca Ricinskis lyrischer Prosa Auf silikonweichen Pfoten, Ioona Rauschans Roman Abhauen oder Theo Breuers Gedichtbuch Das gewonnene Alphabet (um nur drei Titel aus aus einem reichhaltigen Programm zu benennen) sind ihm Publikationen gelungen, die in ihrer Eindringlichkeit zeigen, wie unverzichtbar Literatur für die Gesellschaft ist. Literatur ist nicht nur Dekor des Lebens, das neue Gesellschaftsmodell benötigt neue Literaturformen. Über Verfremdungen drückt Literatur die Befindlichkeiten, Wünsche, Hoffnungen und Befürchtungen der Menschen aus. In Zeiten tiefgreifender Veränderungen verschwimmen deshalb auch die Grenzen zwischen den so genannten Literaturproduzenten und dem sogenannten Publikum.

Literarische Netzwerke

Die ganze Facette dieser unangepassten Literatur ist in der Literarturzeitschrift Matrix nachzulesen. Seit 2005 gibt Traian Pop im von ihm geleiteten Ludwigsburger Pop Verlag die Literaturzeitschrift viermal jährlich heraus. Er formte eine Redaktion mit großem Mitarbeiterstab, der die verschiedenen, im Hinblick auf Auswahl und Qualität wesentlichen Aufgaben zur Gestaltung der Zeitschrift übernimmt. Die Zeitschrift hat einen jeweiligen Umfang von rund 170 Seiten, ausnahmsweise auch einmal fast 300 Seiten. Artikel, Buchbesprechung, Erzählung, Essay, Gedicht, Interview, Theaterstück, Übersetzung zu freien Themen bzw. thematischen Schwerpunkten werden in Kapiteln wie Atelier, Debüt, Rezensionen, Zeitgeschichte u.a. vorgestellt und ermöglichen einen umfassenden Blick auf das zeitgenössische literarische Schaffen von Autoren des deutschen Sprachraums und darüber hinaus. In der Rubrik Die Welt und ihre Dichter werden Autoren verschiedenster Ländern bzw. Sprachgebiete vorgestellt. Schwerpunkte einzelner Ausgaben sind u.a. die Präsentation rumäniendeutscher Schriftsteller wie Johann Lippet, Herta Müller und Horst Samson oder deutschsprachiger Literaten rumänischer Herkunft wie Papi oder Francisca Ricinski. Über die aktuelle, von einem universalen Konzept ausgehende Literatur hinaus widmet sich die Zeitschrift in der Matrix-Ausstellung in jeder Ausgabe einem zeitgenössischen künstlerischen Werk, das unter anderem mit mehrfarbigen Abbildungen vorgestellt wird.

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Traian Pop, Matrix · Literaturzeitschrift, aktuelle Ausgabe: Matrix 29. Jeder auf seine Art für Hans Bender, Pop-Verlag, Ludwigsburg 2012.

Traian Pop, Schöne Aussichten, 72 Seiten, Broschur, Verlag im Wald, Rimbach 2005.

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