Copy and Waste

3. Juni 2014
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Nachdem der Tod des Rock’n'Roll, der mit dem letzten Auftritt 1978 der Sex Pistols in Texas zusammenfiel, ist Pop zombifiziert. Seitdem hat sich die Popmoderne das Nitzsche-Motto von der Ewigen Wiederkunft des Gleichen zugelegt. Coverversionen sind der zentraler Gedanke des Pop, dem zufolge sich alle Ereignisse unendlich oft wiederholen. Dieses zyklische Zeitverständnis ist für Sample-Künstler die Grundlage höchster Lebensbejahung. Kaum jemand beherrscht das so perfekt wie Yolandi, Ninja und DJ High Tec, die ihre Message mit einer Handvoll Songs und geschicktem Band- und Videodesign über Blogs und soziale Netzwerke unmittelbar und ungefiltert auf die Bildschirme der Generation der Digital Natives gespült haben.

Man muss die Kultur beim Wort nehmen, so wie sie uns in ihr Wort nimmt, in ihre Sprache. Ihr versteht, warum ich meine, dass eine politische Reflexion nicht ohne eine Reflexion der Sprache stattfinden kann, nicht ohne eine Beschäftigung mit der Sprache

Hélène Cixous

Der Soziopath wird zur Sehnsuchtsfigur. Niemand hat diese hypermoderne Gesellschaft der Untoten besser beschrieben, als A.J. Weigoni in seinen Erzählungen. Als Erforscher von Trivialmythen geht dieser Romancier  stets aufs Ganze, es ist eine fast irrwitzige Sehnsucht nach dem Absoluten und dem Extremen. Beliebigkeit oder Gleichgültigkeit sind Fremdwörter für ihn. Er arbeitet extensiv mit Übertreibungen. Dank verschiedenster rhetorischer Hilfsmittel schafft er es, Gegensätze zu vereinen: Sie ist leicht und schwierig, amüsant und traurig, tiefsinnig und scheinbar unbeschwert. Das Schreiben wird von einer quecksilbrigen, wie aufgeputschten Intelligenz vorangetrieben. In den Zombies überschreitet Weigoni immer wieder Grenzen, Konventionen, Normen und Denkmuster. Seine Bilder sind oft düster, von radikalem Pessimismus und teilweiser Emotionslosigkeit geprägt. Er schreibt über die Nachtseite des Lebens, erzählt aus der Fülle und aus einer Mitte des ergriffenen Daseins heraus, und dies erfahrungsgesättigt von Menschen, die an der Geschichte zerbrechen oder am Unglück wachsen und die ein Leben lang mit ihrer Existenz ringen. Eine ähnliche Herangehendsweise trifft auch auf die Südafrikanische Rap-Formation Die Antwoord zu. Eine zeitgemäße Variante der zombifizierung gibt es nun in Form des PITBULL TERRIER, ein Song der auf dem Stück Pit Bull aus dem Film Black Cat, White Cat des serbischen Regisseurs Emir Kusturica basiert (“Used With Permission” heißt es dazu in den Credits), ein Video, das den Pop endgültig in den Bereich des absolut Artifiziellen und Stilisierten treibt: Das ist Camp.

NINJA and ¥O-LANDI r in HI-TEKS studio erryday workin hard on our most poweful spell yet. we’v been workin on DONKER MAG 4 about 2yrz now. we thought we wud b finisht by dis time. but we kept makin up new songz by accident. 
NINJA

Gleichfalls enthalten ist der bereits im letzten Jahr auf Youtube lancierte Cookie Thumper, ein Song, der sämtliche Lolita-Klischees gnadenlos durchspielt. Es geht um die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen im Zeitalter der offenen Archive. Um die Musik von Die Antwoord zu verstehen, muß man diesen postanalogen, postlinearen state of mind nachzuvollziehen. Niemand hat dieses Referenzuniversum besser dekonstruiert als Sophie Reyer in ihrem Essay für KUNO, dafür wurde sie 2013 mit dem Essaypreis ausgezeichnet.

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Further reading →

Lesen Sie auch den Artikel über I Fink You Freeky, Roger Ballen / Die Antwoord. Und den mit dem KUNO-Essaypreis 2013 ausgezeichnten Essay von Sophie Reyer. Die Begründung für den KUNO-Essaypreis findet sich hier.

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Im Rückspiegel

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