Birth Control hat mit diesem Album die perfekte „Blaupause“ für energetischen, handwerklich makellosen Hard-Rock „Made in Germany“ geschaffen.
Wer die deutsche Seele der Nachkriegszeit sucht, findet sie nicht in den Trümmern, sondern in den Wohnzimmern, die man hastig mit Eichenmöbeln vollstellte, um das Echo der Bomben zu übertönen. Der Hard-Rock von Birth Control ist der Versuch, diese Möbel mit reinem Schalldruck aus dem Fenster zu werfen. Wo der englische Rock ein königliches Theater blieb, war der deutsche Rock ein Umzugsunternehmen: schwerfällig, verschwitzt, aber von einer unerbittlichen Präzision.
Das Album Hoodoo Man ist kein Kunstwerk, das betrachtet werden will. Es ist ein herannahendes Automobil, dessen Bremsen versagt haben. „Buy!“ schreit der Anfang, und es ist kein Angebot, sondern eine Drohung. Die Hammond-Orgel von Wolfgang Neuser greift nicht nach den Sternen, wie es die Engländer taten; sie gräbt sich in den märkischen Sand. Sie ist eine Maschine, die mit billigem Treibstoff läuft und gerade deshalb unaufhaltsam ist. In diesem Getöse wird die Metaphysik durch den Takt ersetzt.
„Kaulstoss“ ist das Trödelgeschäft am Ende der Einbahnstraße. Hier liegt alles durcheinander: Hard-Rock, der nach Benzin riecht, Folklore, die aus einem zerfetzten Liederbuch stammt, und Country, der auf einer bayerischen Wiese stattfindet. Es ist das Spiel von Kindern, die aus den Trümmern der Tradition etwas Neues bauen, ohne zu fragen, ob es schön ist. Es ist witzig, weil es verzweifelt ist. Es ist kurz, weil die Zeit drängt.
Während der Aufnahmen im Studio stellten die Musiker fest, dass das Material für das neue Album Hoodoo Man nicht ausreichte. Die Band hatte erst fünf fertige Stücke eingespielt, doch es fehlten noch etwa zehn Minuten, um eine vollständige LP-Seite zu füllen. Der Schlagzeuger und Sänger Bernd „Nossi“ Noske erinnerte sich später daran, wie der Song in dieser Notsituation gerettet wurde: Gitarrist Bruno Frenzel hatte ein Riff im Kopf. Noske und Frenzel starteten daraufhin eine spontane Jam-Session im Studio. Sie nahmen das Grundthema, hatten nach wenigen Minuten ein paar Songteile beisammen und beschlossen, diese einfach aneinanderzuhängen. Um die verbleibende Zeit zu füllen, dehnten sie die Lücken mit ausgiebigen Soli aus. Was eigentlich als reines Improvisationsstück gedacht war, um die Schallplatte vollzubekommen, entwickelte sich zum Meilenstein der deutschen Kraut-Rockgeschichte.
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Hoodoo Man, von Birth Control 1972
Weiterführend → Der Begriff `Krautrock´ geht auf das Wort „Sauerkraut“ sowie die Bezeichnung „Krauts“ für die deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg zurück. Der Ursprung des Wortes Krautrock geht auf eine Werbeanzeige der deutschen Firma Popo Music Management zurück, die in der US-amerikanischen Zeitschrift Billboard das Wort 1971 erstmals benutzte, um für Platten von Bacillus Records zu werben. Dieser Begriff wurde von der britischen Presse aufgegriffen und häufig benutzt. Peinlich wird Krautrock immer dann, wenn Deutsch Bands versuchen englische Texte zu verzapfen. Daher ein Hinweis auf die Deutschen Texte von Ton, Steine, Scherben. Sowie auf Ran! Ran! Ran! – THE BEST OF FAMILY*5 / VOL. I, zusammengestellt von Xao Seffcheque. Danach ertastet KUNO den Puls des Motorik-Beats. Und machen eine Liebeserklärung an die „7-Inch Vinyl Record Single“. Krautrock ohne angloamerikanisches Vorbild – lässt es auch die Kraaniche fliegen? Auf Embryo’s Reise entdeckten die Musiker zwar nicht Amerika, sondern die Weltmusik. Ist das noch Krautrock? – Eher Labskaus vom feinsten! Last but least: Krautrock @ its best!