Marion Haberstroh erhält das Hungertuch für darstellende Kunst 2019

Die Schauspielerin Marion Haberstroh gibt der Sprache den Wohlklang zurück. Ihr Ziel ist es, die menschliche Stimme als ein universelles Instrument zu präsentieren und dem Geschmack der Worte auf die Spur zu kommen. Haberstroh kam von der Bühne und fand im Hörspiel ihre Bestimmung, um mit ihrer Stimme die vielfältigen Stimmungsmöglichkeiten auszuloten. Seit dieser Zeit ist sie auf dem Weg, ihre eigene Stimme zu entdecken, immer weiter und weiter, soweit, dass sie die Räume in sich bis zum Grunde des Meeres und fast zur Spitze des Universums mit Atem und Stimme füllen kann. Das geschriebene Wort erkennt sie in seiner Struktur der Lautfolge. Sie ertastet die Worte mit der Zunge und lauscht ihrem Klang, der Hörer ist auf alles gefaßt und erweitert damit seinen inneren Horizont. Jeder Laut möchte ausgesprochen werden und durch die Verbindungen entsteht die Magie der Semantik.

Marion Haberstroh führt uns vor, daß Literatur Mundwerk im buchstäblichen Sinn ist: Sie entsteht im Rachenraum. Da zischt und schnattert, da hämmert’s und gurgelt es. Unangestrengt schafft sie gesprochene Sprachkunstwerke. Ihre Stimme erzeugt eine atemberaubende Intimität. Sie ist weich und schwingend wie der Körper einer Katze, und sie kann kalt leuchten wie Mondschein. Dann bricht sie manchmal und zeigt raue Stellen; sie entzieht sich in Momenten der Heiserkeit, um dann umso schöner wiederzukommen. Sie braucht nicht zu denken sondern nur den Lauten zu folgen, voller Respekt, schon ist eine Geschichte erzählt und im Geist des Zuhörers entstehen die Bilder.

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Weiterführend →

Hören kann man Marion Haberstroh u.a. in der Wortspielhalle. Indem sich die Hörspielinszenierung in ihrer luziden Schlichtheit zeitgenössischen Modespielereien verweigert, ist sie hörenswert. Ein Auszug findet sich in der Reihe MetaPhon.