Ein Hauch von Ewigkeit

Alle Rechte beim Reclam-Verlag

Die Universal-Bibliothek wird 150 Jahre alt. Zum Geburtstag zeigt eine Ausstellung, wie die gelben Heftchen die Klassikerlektüre verändert haben. Im November 1867 wurden Werke von 30 Jahre und länger zuvor verstorbenen Autoren rechtefrei. Pünktlich am 10. November kam Reclams neue „Universal-Bibliothek“ auf den Markt, Goethes „Faust– Erster Theil“ war die Nummer 1. Als Reclam-Hefte sind die Bücher der Universal-Bibliothek des Reclam-Verlags bekannt. Bei äußerster Sparsamkeit in der Ausstattung wird deutsche und internationale Literatur zu einem günstigen Preis angeboten und findet sie inzwischen besonders in der schulischen und universitären Bildung Verwendung. Ausgehend vom Klassikerjahr 1867 wird anhand ausgewählter Exponate aus der Leipziger Produktion – zumeist aus der Sammlung von Dr. habil. Hans-Jochen Marquardt, Halle (Saale) – der Blick auf Buchgestaltung, technische Herstellung und Werbemethoden, aber auch auf die Themen Feldbücherei oder die RUB in der DDR gerichtet. In der Ausstellung sehen wir auch den ersten Buchautomaten mit dem die Reclam-Ausgaben rund um die Uhr erhältlich waren.

Die Krash-Hommage an Reclam

Sieht aus, wie Reclam, ganz anderer Inhalt. Was die Betreiber von SuKuLTur anfertigen erinnert mich spontan an den hervorragend edierten Band, den die beiden KRASH-Protagonisten Enno Stahl und Dietmar Pokoyski herausgegeben haben, die umfangreiche Festschrift „100 Jahre KRASH-Verlag“ zum Verlagsjubiläum.

Perspektiven herausmodellieren

Die Betreiber von SuKuLTuR haben diese Tradition bewußt oder unbewußt weitergeführt. Im Dezember 2003 starteten sie ihr Projekt. Elf Berliner Vendingautomaten der Firma Quickland wurden mit jeweils fünf verschiedenen Ausgaben der SuKuLTuR-Leseheftreihe „Schöner Lesen“ ausgestattet. An diesen Automaten konnte man nun nicht nur Weingummi, Schokoriegel, Kaugummi, Marmorkuchen und sonstiges Naschwerk erwerben, sondern auch Literatur. Für einen Euro.

Wer hats erfunden?

Der Prototyp, ein ART-O-MAT von Haimo Hieronymus, Photo: Dieter Meth

Die Idee Kunst aus einem ART-O-MAT zu ziehen ist charmant. KUNO zitiert aus dem Artikel „Kunst aus dem Automaten“ aus dem Jahr 2007 von Achim Benke für die Westfalenpost:

Automaten ja, aber was ist ein Artomat? Der Neheimer Künstler Haimo Hieronymus hatte 1997 eine Idee, als neue Zigarettenautomaten aufgestellt wurden. Er fragte sich, was passiert mit den alten Geräten und wie kann man sie neu nutzen. …

… Er steckte kleine Kunstobjekte in bunte Schachteln und bestückte den Automaten. Für kleines Geld erwirbt man Kunst und hat ein Unikat.

Wie kamen Sie auf diese Idee?
Mir fiel 1997 auf, dass neue Zigarettenautomaten in der Stadt angebracht wurden. Da kam mir die Idee die “Alten” doch nutzen zu können, um kleine Kunstobjekte in Schachteln zu verkaufen. Außerdem ist Kunst in Schachteln gesünder als Zigaretten. Vielleicht hat man das große Glück gezogen, dass der Inhalt der Schachtel im Wert steigt – ganz im Gegensatz zur Zigarette.

Ist diese Idee irgendwie geschützt?
Von mir nicht. Meine Meinung ist, dass Ideen der Kunst allen offen stehen sollten. Nachahmung ist notwendig, um sie weiterzubringen. Sich alle Kunstideen registrieren und sichern zu lassen, finde ich nicht zielführend. Man muss Ideen spinnen, um sie weiter zu denken. Das können doch auch andere machen. Kunst hat immer Denkblockaden verhindert.

Was soll der Artomat bezwecken?
Künstler sollten die Möglichkeit erhalten, sich zu vermarkten. Vielleicht kann man dadurch einem Künstler ein kleines Einkommen verschaffen. Die Artomaten sollten an Orten (z.B. Bibliotheken, Museen) stehen, die etwas mit Kunst zu tun haben. Somit wird Kunst für jedermann zugänglich.“

Bildung für alle, kaum eine Idee ist derzeit mehr aktuell.

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Universal. Reclams Jahrhundertidee – Leipzig 1867 bis 1990, bis 3. Juni 2018. Buch– und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek, Leipzig.