Vereint in aufmerksamer Versenkung

Durch Performances, Lesungen und Vertonungen löst A.J. Weigoni seine Stücke aus der Abhängigkeit der Schrift und macht sie in einer weiteren Dimension sinnlich erfahrbar, betont ihre rhythmischen, melodischen, klanglichen Qualitäten. Dazu arbeitet er seit 1995 mit dem Hörbuchproduzenten, Musiker, Klangkünstler Tom Täger in dessen Tonstudio an der Ruhr in Mülheim zusammen. Täger ist in seiner Arbeit so erfahren wie offen und experimentierfreudig, er war es etwa, der Helge Schneiders erste Platte produzierte. Zu Weigonis Gedichten komponierte er elektronische Musik, mit der die eingesprochene Lyrik collagiert.

So erscheint der nächste Schritt nur logisch – die Symbiose aus Lyrik und Musik für eine weitere Kunstform zu öffnen, in der sie nicht nur körperlich erfahren, sondern auch interpretiert und nachvollzogen werden: Sie nämlich in Tanz zu überführen, in dem sich das Geistige körperlich manifestiert. Dies ist Manuel Quero gelungen, der an der Folkwang Hochschule Essen Modernen Tanz studiert und sein Diplom in Bühnentanz erlangt hat. Er choreografierte bereits Stücke für das Tanztheater Freiburg / Heidelberg und für das Staatstheater Kassel. Manuel Quero ist an der Folkwanghochschule in Essen tätig ist und seit 2008 Mitglied des Bogen.

Die Gattungen – Lyrik, Musik und Tanz – leben von Rhythmus, Wiederholungen, Verbindungen, Zäsuren, sind dynamisch, entwickeln sich in der Zeit. Und trotzdem sind sie ganz verschiedenartige Kunst- und Ausdrucksformen, die hier zu einer einzigartigen Symbiose zusammengefunden haben – durch drei ganz unterschiedliche Künstler, die zusammengewirkt, sich gegenseitig herausgefordert und inspiriert, Einflüsse angenommen, umgewandelt, aus- und weiter gebaut haben.

So kann An der Neige… exemplarisch für das Konzept des Festivals Sommergelee? – Dichter dan! stehen, dessen Kern einerseits das Zusammenführen der unterschiedlichen Künste und andererseits das Erfahren von Kunst und Schöpfen derselben bildet.

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Der Schuber, Werkausgabe der sämtlichen Gedichte von A.J. Weigoni. Edition Das Labor, Mülheim 2017

Die fünf Gedichtbände erscheinen in einer limitierten und handsignierten Ausgabe von 100 Exemplaren. Mit dem Holzschnitt präsentiert Haimo Hieronymus eine handwerkliche Drucktechnik, er hat sie auf die jeweiligen Cover der Gedichtbände von A.J. Weigoni gestanzt hat. Bei dieser künstlerischen Gestaltung sind „Gebrauchsspuren“ geradezu Voraussetzung. Man kann den Auftrag der Farbe auf dem jeweiligen Cover direkt nachvollziehen, der Schuber selber ist genietet. Und es gibt keinen Grund diese Handarbeit zu verstecken.

Alle Exemplare sind zusammen mit dem auf vier CDs erweiterten Hörbuch in einem hochwertigen Schuber aus schwarzer Kofferhartpappe erhältlich.

 

WeiterführendMehr zur handwerklichen Verfertigung auf vordenker. Eine Würdigung des Lyrik-Schubers von A.J. Weigoni durch Jo Weiß findet sich auf kultura-extra. Margeratha Schnarhelt ergründelt auf fixpoetry die sinnfällige Werkausgabe. Lesen Sie auch Jens Pacholskys Interview: Hörbücher sind die herausgestreckte Zunge des Medienzeitalters. Einen Artikel über das akutische Œuvre,  mit den Hörspielbearbeitungen der Monodramen durch den Komponisten Tom Täger – last but not least: VerDichtung – Über das Verfertigen von Poesie, ein Essay von A.J. Weigoni in dem er dichtungstheoretisch die poetologischen Grundsätze seines Schaffens beschreibt.

Hörbproben → Probehören kann man Auszüge der Schmauchspuren, von An der Neige und des Monodrams Señora Nada in der Reihe MetaPhon.