LiteraturClip I-III

 

Clip I zeigte den Scheiterhaufen unter der Richtlinde vor Schloss Crange. Eine Hexe stand auf dem Leiterwagen, ihre schwarzen Haare flatterten im Wind. Die Frauen wendeten ihren Blick von ihr ab und bekreuzigten sich.

In Clip II drohte die schreiende Menge mit brennenden Fackeln. Die Drude fluchte Verwünschungen und spuckte dem Henker ins Gesicht.

Ein schwarz gekleideter Priester baute sich vor ihr auf. Sie sah ihn erwartungsvoll an. In seinem Gesicht spiegelte sich die Angst vor dem Schmerz wider. Wie jeder gläubige Hetzer wühlte er mit Wollust in Exzessen, um seine Gegner der Inquisition zu unterziehen.

In Clip III fingen Holzspäne Feuer, nasses Stroh schwelte. Durch die Nebelmaschine bespuckte die Drude die Menge und den Priester. Ihr Dialog dröhnte durch die Lautsprecher:

»Bekennst du deine Sünden?« Der schwarz gekleidete Priester baute sich vor der Hexe auf.

»Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Herr, ich habe nicht gesündigt!«

»Bekenne dich!«

»Niemals!«

»Gott soll deiner Seele gnädig sein. Amen!«

Er nickte dem Henker zu. Der entzündete den Scheiterhaufen mit einer weithin sichtbaren Fackel. Der Pöbel johlte:

»Die Hexe brennt.«

An einigen Stellen knisterte es, Holzspäne fingen Feuer, nasses Stroh schwelte. Vom Scheiterhaufen hinab bespuckte sie die tosende Menge, den Henker, den Priester.

»Ritter Gottes! Du lammfrommes Schaf! Ich verfluche dich und deine Nachkommen!«

Der Henker trat hinter den Scheiterhaufen und erdrosselte sie. Der Priester trat mit aschfahlem Gesicht vor die Menge. Flammen begannen zu lodern. „Hot dog“ von limp bizkit hämmerte durch die Lautsprecher.

»Wir werden uns wiedersehen!«

Im letzten Clip wurde eine Urne an ihnen vorbei getragen und die Schwärze verschlang sie. Für einen Augenblick hatten Shari und Ansgar den Eindruck, als hörten sie ein leises Lachen, dass nicht vom Band kam…

 

 

Fortsetzung folgt.

***

Massaker, ein Cranger-Cirmes-Crimi von Barbara Ester und A.J. Weigoni, Krash-Verlag 2001

Weiterführend →

In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsmöglichkeiten von populärkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay Perlen des Trash stellt diese Reihe ausführlich vor. Dem Begriff Trash haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Lesen Sie auch das Kollegengespräch von A.J. Weigoni mit dem echten Bastei Lübbe-Autor Dieter Walter. Eine Würdigung von Massaker durch Betty Davis lesen Sie hier. Die Hörfassung unter dem Titel Blutrausch hören Sie in der Reihe MetaPhon. Als Tag für die Vorstellung dieses Cranger-Cirmes-Crimis war der 11. September 2001 vorgesehen.