I like smoke and lightnin′
Heavy metal thunder
Racing with the wind
And the feeling that I’m under
Steppenwolf
Man bezahlt die Freiheit mit dem Tauschwert der Illegalität. Wyatt und Billy werfen ihre Uhren in den Staub, bevor sie die Motoren anlassen. Es ist der vergebliche Versuch, der historischen Zeit zu entkommen. Sie glauben, das Hier und Jetzt zu kaufen, indem sie das Gestern im Kokainhandel liquidieren. Doch die Straße ist keine Befreiung von der Ökonomie; sie ist deren verlängerter Arm. Wer die Zeit anhält, stellt nur fest, dass der Raum ihn umso unerbittlicher vermisst. Der Tank fasst nur so viel Treibstoff wie die Illusion Sekunden.
Ein Mann suchte Amerika, doch er konnte es nirgends mehr finden.
Das Plakat lügt nicht, es beschreibt nur das Gesetz der Ware. Amerika ist keine Geografie, sondern eine Marke, deren Schaufenster längst zertrümmert sind. Wyatt reitet als Captain America auf einem verchromten Paradoxon. Sein Kostüm ist der Fetisch einer Republik, die im Morast von Vietnam versinkt. Am Straßenrand stehen die Ruinen der Pionier-Vergangenheit: Jahrmärkte, die zu Kulissen erstarrten, und Western-Legenden, die zu Slang-Vokabeln verkamen. Sie suchen das Echte und finden nur die Requisiten eines sterbenden Mythos.
Dennis Hopper führt Regie nicht aus der Distanz des Suchers, sondern aus dem Rausch des Materials.
In der Wüste versuchen Aussteiger, das Reich der Notwendigkeit hinter sich zu lassen. Sie säen Korn in den trockenen Sand und beten für eine Ernte, die das Gesetz der Schwerkraft leugnet. Es ist die rührende, ohnmächtige Geste des Bürgers, der das Patriarchat durch das Urchristentum ersetzen will. Doch die Kommune ist keine Zukunft; sie ist eine melancholische Ausgrabungsstätte der Sehnsucht. Ihre Hütten haben keine Fundamente, ihre Dialoge keine Grammatik. Sie tanzen im Kreis, während draußen der Asphalt unerbittlich weitergspannt wird.
„Wir haben es vermasselt.“
Am letzten Lagerfeuer kollabiert der Jargon der Authentizität. Der Satz ist das Inventarstück eines Bankrotts. Meint Wyatt sich selbst? Meint er die Hippies? Oder meint er das Jahrhundert? Die Sprache in diesem Film ist kein Werkzeug der Verständigung, sondern ein Fragment im Trümmerfeld der Kommunikation. Wo die Worte fehlen, tritt die Rockmusik an ihre Stelle – nicht als Befreiung, sondern als narkotische Untermalung des eigenen Untergangs. Die Droge spricht nicht; sie summt nur das Schlaflied der Epoche.
„Sie haben keine Angst vor dir, sie haben Angst vor dem, was du repräsentierst: Freiheit.“
George Hanson, der Anwalt mit dem Football-Helm, ist der Seismograph der Katastrophe. Er versteht, dass die Provinz den Aussteiger nicht wegen seiner Taten hasst, sondern wegen seines Symbols. „Sie haben keine Angst vor dir“, sagt er, „sie haben Angst vor dem, was du repräsentierst: Freiheit.“ Aber die Freiheit, die Hanson besingt, ist eine bürgerliche Abstraktion. Wenn die Knüppel in der Nacht niedersinken, gibt es kein Gericht, das Einspruch erhebt. Das Nachtasyl der amerikanischen Toleranz erweist sich als die Ausnüchterungszelle des Konformismus.
Wer ist der Easy Rider?
Im Slang des Südens ist es der Zuhälter, der von den Einkünften einer Frau lebt, ohne zu zahlen. Hier wird das Motorrad zum Instrument einer gigantischen Prostitution: Sie reiten auf der Freiheit wie auf einer billigen Hure. Sie beuten den Mythos der endlosen Straße aus, bis dieser sie im Straßengraben liegen lässt. Der finale Schuss aus der Schrotflinte des Farmers ist kein Unfall der Geschichte. Er ist die brutale Quittung dafür, dass man die Grenze überschritten hat, ohne den Zoll der Anpassung zu entrichten. Die Reise endet nicht in der Befreiung, sondern im brennenden Wrack des Motorads am Wegesrand.
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Easy Rider, von Dennis Hopper 1969
Weiterführend → In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsmöglichkeiten von populärkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay Perlen des Trash stellt diese Reihe ausführlich vor. Dem Begriff Trash haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Luther Blissett beschreibt den Weg von Proust zu Pulp.