In den 1980er Jahren erlebte Düsseldorf eine kreative Explosion, die vor allem durch die Kassettenuntergrundszene geprägt wurde. Diese Veranstaltungstradition brachte eine Vielzahl von Künstlern und Musikern hervor, die neue Wege suchten, sich auszudrücken und alternative Wege zur Massenkultur zu finden. Die Kassetten wurden zu einem Lebenszeichen einer Generation, die sich gegen die kommerzielle Musikindustrie und den Literaturbetrieb stellte.
Die Viererbande: Kai Mönnich, A.J. Weigoni, Marion Haberstroh, Frank Michaelis. Photo: Anja Roth
Der Kassettenuntergrund entwickelte sich als Teil der größeren DIY-Kultur (Do It Yourself) der Zeit. Künstler und Bands produzierten ihre Musik oft selbst, ohne die Unterstützung großer Plattenlabels. Dies führte zu einer Vielzahl von Musikstilen, von Punk und New Wave bis hin zu experimentellen Klängen. Besonders in Städten wie Düsseldorf, die eine wichtige Rolle in der Musik- und Kunstszene spielten, entstanden zahlreiche Kassettenlabels, die es Künstlern ermöglichten, ihre Werke zu veröffentlichen.
Die DIY-Philosophie brachte eine neue Art von Freiheit mit sich. Musiker konnten ihre Musik unabhängig produzieren, was zu einer experimentellen Herangehensweise führte. Die Verwendung von Kassetten ermöglichte eine einfache Verbreitung – so konnten die Aufnahmen problemlos weitergegeben oder verkauft werden.
Kassetten wurden nicht nur als Medium für Musik genutzt, sondern auch als Plattform für politische und soziale Kommentare oder für Literatur. In einer Zeit des Wandels in Deutschland, geprägt von gesellschaftlichen Umwälzungen und dem Kalten Krieg, nutzten viele Künstler ihre Musik, um Stellung zu beziehen. Die Kassetten waren oft gefüllt mit kritischen Texten und verstörenden Klängen, die den Zeitgeist widerspiegelten.
In Düsseldorf war die Kunstszene untrennbar mit dem Kassettenuntergrund verbunden. Die Stadt war Heimat von Künstlern wie A.J. Weigoni und Frank Michaelis, die in ihren Werken neue Narrative und experimentelle Strukturen erforschten. Ihre Projekte, wie „The last popsongs„, zeugen von dieser kreativen Energie und der tiefen Verbindung zwischen Musik und Kunst.
Der Einfluss der Kassettenuntergrundszene in Düsseldorf war weitreichend. Sie inspirierte nicht nur die lokale Musikszene, sondern beeinflusste auch Generationen von Musikern und Künstlern über die Grenzen der Stadt hinaus. Das Bedürfnis nach Unabhängigkeit und kreativer Freiheit, das sich in dieser Bewegung manifestierte, setzte sich in späteren Jahrzehnten fort.
Die Legenden dieser Zeit, die in kleinen Clubs oder schäbigen Kellern auftraten, leben in der Erinnerung einer ganzen Generation weiter. Die Kassetten selbst sind mittlerweile oft zu Sammlerstücken geworden und werden von Nostalgikern geschätzt, die die innovative und ungestüme Energie der 1980er Jahre feiern wollen.
Der Kassettenuntergrund in Düsseldorf der 1980er Jahre war mehr als nur eine Musikbewegung; er war ein kulturelles Phänomen, das Ideen von Freiheit, Kreativität und gesellschaftlicher Emanzipation zu repräsentieren suchte. Die Protagonisten dieser Szene, wie Weigoni und Michaelis, Haberstroh und Mönnich hinterließen einen bleibenden Eindruck, der weit über die Grenzen der Stadt hinaus reichte. Der nächste Schritt gelang von Tape zum Videotape, doch Schland erzählt eine andere Geschichte…
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The last pop-songs, von A.J. Weigoni und Frank Michaelis (mit Marion Haberstroh und Andy Schulz) bei instant music, Düsseldorf 1989 (remixed von Tom Täger)
Wie das englische Wort lyrics (für Liedtext) verrät, basierten die antiken Vorläufer der Popmusik auf Texten, die zu den Klängen der Lyra vorgetragen wurden. Tonmeister Tom Täger hat das 1989 produzierte Tape the last pop-songs (vom DAT) digital remastered. Frank Michaelis und A.J. Weigoni haben die Energie und die Einfachheit von Pop genutzt, um komplexere Emotionen auszudrücken. Es entsteht eine intermediale Literatur, Poetry slams und Songtexte werden als künstlerische Artefakte wahrgenommen, die es mit ‚klassischer‘ Literatur aufnehmen kann. Sie hören ein Denkspiel über Pop, das selbst Pop ist, weil es Pop als körperverwandelndes Medium versteht und Popgeschichte als Mediengeschichte. MetaPhon präsentiert in der Reihe Revisited einen Rückblick auf „The Best Of Jugendsünden“.
Weiterführend → Widmen wir uns dem Gau dieses Mediums, dem Bandsalat. Zurück in die Zunkunft des Cassettenlabels. Und abschliessend ein Ohrenzwinkern.