
Marion Haberstroh und Frank Michaelis
In den 1980er-Jahren fungierte die Musikkassette (MC) als das erste soziale Medium der Musikgeschichte. Abseits der teuren Vinyl-Produktion bot sie Künstlern die völlige Unabhängigkeit von Major-Labels. Düsseldorf, geprägt durch die Kunstakademie, wurde zum fruchtbaren Boden für diesen „Do-it-yourself“-Geist.
Pionierarbeit leisteten Labels wie KLAR! 80, gegründet von Rainer Rabowski, das zwischen 1980 und 1982 zur zentralen Anlaufstelle für experimentelle Elektronik und New Wave wurde. In diesem Umfeld entstanden Kleinstauflagen, die heute als Raritäten gelten.
Beeinflusst von Punk und den „Genialen Dilletanten“, wurde die Kassette zum Werkzeug für Klangexperimente. Es ging nicht um Perfektion, sondern um den unmittelbaren Ausdruck. Die Hörspielerei von Weigoni und Michaelis bei Instant Music führt diese Tradition fort, indem sie Text und Klangcollage auf intime Weise verbindet.
Projekte wie „The last pop-songs“ zeigen, dass der Geist des Düsseldorfer Untergrunds – die Symbiose aus Literatur, Performance und Lo-Fi-Elektronik – lebendig bleibt. Die Stadt bewahrt ihre Rolle als Innovationsmotor für unabhängige Labels, wie die fortlaufende Arbeit lokaler Plattformen beweist.
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The last pop-songs, von A.J. Weigoni und Frank Michaelis (mit Marion Haberstroh und Andy Schulz) bei instant music, Düsseldorf 1989
Die Aufnahme ist in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de

Photo: Anja Roth
Wie das englische Wort lyrics (für Liedtext) verrät, basierten die antiken Vorläufer der Popmusik auf Texten, die zu den Klängen der Lyra vorgetragen wurden. Tonmeister Tom Täger hat das 1989 produzierte Tape the last pop-songs (vom DAT) digital remastered. Sie hören ein Denkspiel über Pop, das selbst Pop ist, weil es Pop als körperverwandelndes Medium versteht und Popgeschichte als Mediengeschichte. MetaPhon präsentiert in der Reihe Revisited einen Rückblick auf „The Best Of Jugendsünden“.
Weiterführend → Widmen wir uns dem Gau dieses Mediums, dem Bandsalat. Zurück in die Zunkunft des Cassettenlabels. Und abschliessend ein Ohrenzwinkern.