BALLADE VON PEŠKO ANDREA UND DEM SHEITAN*

 

Sie sagten von mir ich hätte

den schwanz in kinder gesteckt

und ne frau an die kette

meiner befäulnis gelegt

Mit mir sagten sie gibt’s trouble

Gläubiger machten mich lang

vorm abhaun schickt ich’n kabel:

Saloniki komm nach  Peško  Gruß

und machte mich aus dem

süßen gestank

und dem verlogenen blues

 

Sie sagten das ist der typ

der nach Griechenland abhaut

Der teufel nenne sich schmier

Andrea erwart mich am pier

Sie hat asche für uns geklaut

und first class karten gekriegt

von em fettsack den sie verliebt

und leck gemacht hat  Wir

brachten den größten stuß

auf dem schiff voll süßem gestank

und dem nächtlichen

schrei unsres blues

 

Auf deck tanzt sie mit matrosen

spart uns logis und kost

und zog aus den weiten hosen

bittern und süßen most

Plötzlich wurden die krank

Sie kocht ‘n stechapfelmus

Ich tat schwefel dabei zum schluß

Da waren die nächte lang

unsre liebe aus einem guß

und wir lebten in süßem gestank

und nächtlichem seegangblues

 

In NY tauchten in der kajüte

aufm mal ihre leute auf

sagten  sie böten mir  bitte

ihre tochter zum kauf

sonst gäbs ‘n duell im gang

da würden wir rein gelegt

Also gingen wir ab durch die mitte

Ich holte sie aus dem schrank

wir haben das deck gefegt

und machten uns schnell ausm schuß

Hinter uns deren gestank

und das geschrei ihres blues

 

Wie wir fliehn nach LA

hat sie an ihrem arm

ein fläschchen giftgrünen tee

von dem Nabob und daraus kam

so’n typ mit dreschflegelfaust

und ohrring und krakenkuß

Wir rissen zun palmen aus

und’s rettete uns gott sei dank

von meinem pferdefuß

der bittersüße gestank

und ihr nächtlicher schrei

unseres blues

 

Sie hat mich angestachelt

kaum hatten wir uns verdrückt

da hab ich ihm eine getachelt

und hatt seine rechte im fang

Er hat sein messer gezückt

schlug mir ins sonnengeflecht

Und als ich am boden lag

pfiff sie ‘hn zurück bei fuß

und sie sagte   bist du aber stark

und ich roch nur noch

einen süßen gestank

und in mir war brüllen von blues

 

Dann kam sie zu mir ins boot

Ich hatte grad abgelegt

und sagte   das war unser groom

der hat sich zu früh geregt

Jetz kann er uns nix mehr tun

Ach Du mein einzjer Sheitan

Ich sorge daß wir den fluß

runter kommen mit knapper not

Und es klebt an ihrer hand

ihr doppelkomplott und

sein süßer gestank

und der nächtliche schrei

meines blues

 

Nun könn wir nimmehr zurück

Am ufer stehn bullen mit presse

Wir landen auf em atoll

Da ist ihre kreuzigungsmesse

Und sie sagt  tut mir leid

jetzt bist Du’s

Und als der sturm anrollt

bleiben wir als einzige liegen

graben uns ein unterm ruß

auf der öden schädelbank

und um uns der wind ist voll

von unserm süßen gestank

und dem nächtlichen schrei

eines blues

 

 

 

 

***

 

Rohlieder I – X von HEL

HEL ist bekannt als Publizist gesellschaftskritischer Lyrik sowie Essays. Nach dem Zyklus Zeitgefährten, die zwischen 1977 – 2008 entstanden sind, veröffentlicht KUNO die Reihe Rohlieder I – X, die dank Caroline Hartge neu ediert worden sind. Diese Gedichte legen eine Stimmung frei, die zwischen Melancholie und Unbeschwertheit, Wehmut und Klarheit wechselt.

Weiterführend →

Eine Würdigung von HEL findet sich hier. Eine faszinierend langer Briefwechsel zwischen Ulrich Bergmann und HEL findet sich hier. Eine Hörprobe des Autors findet sich auf MetaPhon.

 

 

Anmerkung:

Sheitan = Satan