Aller Anfang ist Zeremonie oder Fragment als Haltung

Nach Lage der Dinge gibt es Verschiebungen.
Entgegengesetztes trifft sich in Ergänzung.
Verwandtes trennt sich vom Plan,
Parallel-Laufendes wächst zusammen.
Die Täuschung entlarvt, was Fehler benannt haben.
Ein Satz kräuselt sich bildhaft schön, ja,
ein Wort zur Lage ein paarmal gewendet,
ein Trümmer, ein Grund, ein Stück,
darauf baut sich die Regel, das Spiel.

1979

Das Fragment – geheime Kontinuität des Offenen, Ankunft und Präsenz allen Kunsttuns, dessen Angebot zum Unterwegsbleiben.  Aller Anfang ist Zeremonie und – Fragment.  Sinn ist überall, ein Sog versprengter Verirrungen, kleinste Reaktionen zertrennter Materie, wenn Stoff von sich selbst getrennt wird.

In jedem „gelungenen“ Kunstwerk halten auf fragwürdige Weise die Begriffe „defekt“ und „wiederhergestellt“ – in einem ursprünglichen Sinn, das eine wie immer gestaltete, bewegte, immer bewegte Einheit voraussetzt, einander in Schach.  Den Platz, den diese Einheit, das „Ganze“ einmal eingenommen hat, belegt das Fragment: Das An-und Abgebrochene, das an seinen Bruchstellen auf eine wie immer geartete Totalität verweist, das minutiös fixierte Vor-Läufige auf dem Weg zu seiner Herkunft.

Meine über 2 Jahrzehnte lange Arbeit an den Grenzzonen vom Literatur und Kunst, Bild und Text, in der das Fragment sich zunehmend als HALTUNG jedem Anfangen anverwandelte, in der die Unterscheidung der Disziplinen Literatur und Kunst zweitrangig wurden, begegnete immer wieder der Spur, ob der eigenen oder fremden oder der eigenen als fremdgewordenen wie der fremden als anverwandelt eigenen als einer Art Dejà-Vu-Relikt:

Spuren assoziieren ihre Herkunft aus Vergangenem, vor allem aber aus etwas anderem, was sie selber nicht sind.

Der Mensch, der die Spur in die Erde setzte, ist vorübergegangen, das Foto, das sie festgehalten hat, ist nicht Garantie für Authentizität, jeder „Rest“ ist ein Anlaß für Sehnsucht, der gebunden werden muß an eine Geschichte, ehe er – wieder, neu – markiert.

Fragment, Fragmentierung, Aesthetik des Fragments:
Herkunft, Ankunft, Präsenz und Wirksamkeit des Fragmentes akzentuieren, realisieren sich auf dreifache Weise:

* Fragment ist Fundstück, Bruchstück eines einstigen (immer utopisch bleibenden!) Ganzen. Hierzu zählt sich auch das Fragment als ein Ergebnis bewußt inszenierter Auflösung oder Zerstörung.

* Das Fragment wird gemacht, hergestellt, ohne, daß ein Ganzes zuvor existiert hätte, jedoch nun, in aller Präsenz, sich als Teil eines Ganzen ausweist.

Die Geschichte der Künste, ob Literatur, darstellende, bildende Kunst oder Musik, ist ein offen gehaltener Speicher für diese beiden Gestalten des Fragments.

* Die dritte Form – das Fragment als Haltung – ist dem künstlerischer Tun selbst zuzuordnen, als Bewegung, Ereignis, ZuFall, Gegenwärtigkeit, GeistesGegenwart, Gestimmtheit und Zusichselberkommen in der Ankunft des künstlerischen Impulses.

Dieses Fragmentereignis als Haltung ist selber nicht Stoff, Materie, sondern es entfaltet und qualifiziert diese erst im Offenen, fixiert sie in der Spannung des Augenblicks.

Sprechen könnte man hier auch von einer Anteilhabe am großen immer utopisch bleibenden Entwurf der Welt, des Daseins, Anteilhabe im Zufallen des künstlerischen Impulses, der Voraussetzung, Bedingung für alle Materialisierung in, und als Kunst.

Am 31. Januar 1922 schrieb R.M. Rilke folgendes Gedicht, das mich seit den Anfängen meiner Arbeit begleitet, mich in Realisierung und Auslegung meiner Arbeit immer wieder neu motiviert:

Solang du Selbstgeworfnes fängst, ist alles
Geschicklichkeit und läßlicher Gewinn -;
erst wenn du plötzlich Fänger wirst des Balles,
den eine ewige Mit-Spielerin
dir zuwarf, deiner Mitte, in genau
gekonntem Schwung, in einem jener Bögen
aus Gottes großem Brückenbau:
erst dann ist Fangen-Können ein Vermögen, –
nicht deines, einer Welt …….


Rilke beschreibt hier das Fragment als Ereignis, als Zusichselberkommen von Kunst, wobei der Künstler zum Mit-Spieler und Medium zur Vermittlung wie zum „Empfang“ eines großen Plans gerät – Platon liegt nahe,- die Sprache, Sprache, die auf Wahrhaftigkeit abzielt, spricht sich selber – durch uns.  Wir sind in solcher Haltung – Station, Hindurchgang und wieder Station; Ort der Ankunft wie auch, weitergedacht, des Mangels, des Verlustes – das Fragment strahlt auf eine Vollendung wie auch auf sein Verletztsein, sein Teil-Sein, Angebrochensein hin, wie der Phantomschmerz eines abgetrennten Gliedmaßes.

Was allen drei Fragmentgestalten gemeinsam ist, das ist ihre Abstrahlung, ihre Aura:

* Das Fundstück, die Scherbe, das Bruchstück „strahlt“ das Ganze einer einstigen Unversehrtheit aus.
* Das gemachte, hergestellte Fragment strahlt Intention und Sinngestimmtheit seines Schöpfers im Hinblick auf die Bindung des Betrachters/Hörers an eine EinDeutigkeit aus.
* Das Fragment als ZuFall, Ereignis, Anteilhabe verströmt die Aura von Sinn schlechthin, als Einheit von Immanenz und Transzendenz (die immer utopisch bleiben muß), als immer wieder Anfang einer Zeremonie.

Ein Wechselspiel von Vertraut- und Fremdheit, von Authentizität und Erinnerung. Die Geschichte des Fragmentes in den Künsten ist die offengehaltene Geschichte des Eigenen, die an die Geschichte des Anderen, des Fremden stößt, in immer wieder neuen Anverwandlungsprozessen.

 

II

Die Geschichte der Überlieferung beginnt vielleicht da, wo ein zur Genüge erforschter Planet einen anderen streift, der fremdes Leben nicht kennt.  Die Erschütterung hinterläßt Jahrtausende später jenes Echo, das der Nervöse als die Vibration seiner Nervenenden, der Romantiker als das Schlagen seines Herzens wiedererkennt. Immer aber deckt das fremde Leben nur Partien und Passagen eines großen Zusammenhangs ein, und auf anderen Sternen kennt man vielleicht gar kein Anderes.

1986

Fragmente, Scherben, Reste, Bruchstücke, Relikte, Spuren – sie sind nicht Versprechen auf die Wiederherstellung jener einstigen Ganzheit, an der sie – historisch gesehen – noch teilhaben.  Die Umrisse, Frakturen ihres Bruchs bleiben, sind unreparabel, sind Bruchstellen der neuen Identität eines möglichen Ganzen, eine Art Imperativ für die OffenGehaltenheit künstlerischen Tuns (ausgenommen die digitale Kunst: hier scheinen die Bruchstellen ausgelöscht, wenn sie nicht ausdrücklich zu dokumentarischen Zwecken gespeichert werden – das Fragmentarische hat seine Spuren nur noch in den Hirnzellen seines Korrektors abgelegt) .
Anders: Das Fragmentgewordene zeigt seine Wunden, konzentriert um seine Verletzungen alle Energien, die aus seinem KERN schießen, um neue Haut bilden zu können. Es wird neue Brüche, Frakturen geben, Spuren: ihre Herkunft assoziierend aus dem Anderen, Fremdgewordenen.  Und doch wird das Neue sich in seiner Wirkung im Idealbild gelungener Kunst wiederfinden wollen, dem es nichts hinzuzufügen, nichts abzuziehen gilt.

Mich interessieren die Nahtstellen und Grenzen korrespondierend-fragmentarischen Arbeitens in Bild- und Wortsprache, jenseits gegenseitiger illustratorischer Deckungen. Das Zugeordnetsein, das scheinbar Aneinandergenähtsein von Bild und Text, ob gegenständlich oder konkret – immer findet eine gegenseitige Erweiterung formaler und inhaltlicher Wirkungen statt, es entsteht etwas „Drittes“, ein Mehrwert gerade, weil jedes Fragment eine Aura von Spekulativem abstrahlt, Phantasien entzündet, die nach einem „Zusammenstimmen“ fahnden, das nicht mit dem Bild des Schöpfers identisch sein muß.  Größte Nähe – weiteste Entfernung, lautet die regellose Regel, und auch hier kann die Arbeit mit dem Fragment an äußerste Grenzen stoßen, die das Material so verfremden, umwandeln, daß es sein Medium wechseln muß, so, wenn Text zum Bild, Sprachmaterial zu Bildmaterial wird in neu entwickelten Formen von Typografien (denken wir an Lissitzky oder Schwitters) oder umgekehrt: Wenn Bildhaftes zur Textur wird, wenn Bild-Material jenseits zu transportierender Inhalte die Funktion von Sprache übernimmt. In Bild-Text-Sequenzen wird aus Bild-und Textfragmenten eine Geschichte vorangetrieben; man kann es bis zum Äußersten treiben und nur Fremdmaterial verwenden: Bilder, Fotos, aus Lexiken herausfotografiert, Fremdtexte aus Katalogen, Broschüren – ein jedes Bild ist mit einer solchen Fülle von Informationen und Assoziationen geladen, ein jeder Text schickt ein eidetisches Denken und Vorstellen auf zeitlos dauernde Reise, schon die Verknüpfungen mit der eigenen Geschichte gehen gegen Unendlich, – und nun geschieht etwas Eigenartiges: die mutmaßliche Beliebigkeit der Bild- und Textzuordnungen fügt sich in Sinnfälligkeit, Sinngehalt, Metaphorik und Symbolik erfinden ein je neues System, ohne sich in endgültiger Erklärbarkeit zu verschließen und somit aus der Sphäre der Kunst herauszulösen, die Offenheit des Fragmentarischen hat ihr vorläufiges BewegungsFeld gefunden. Fragmente, labile Gleichgewichte, Depots für die konjunktivische Ganzheit von Welt.  Das Fremde ist so nah, daß es das Eigene auf Distanz hält: ein Akt der Anverwandlung des Anderen schlechthin oder, wie es Jean-Luc Nancy formulierte:

„Das Fragment (die Kunst) …- es ist nichts anderes, als die multiple, diskrete, diskontinuierliche und heterogene Berührung des Seins“.

Das Fragment könnte Aussichtsort einer Haltung sein, von der aus die Welt beobachtbar ist.

Ist das Fragment, das Fragmentarische, eine Haltung, so wird es jede EinDeutigkeit zurückweisen.  Es besitzt Spielarten, verschwimmende oder festumrissene Erscheinungsformen durchaus, wie den Rest als das Zurückgebliebene, wie das Undefinierbare, Indifferente, Stückwerk, Splitter, es nimmt Zeugnis- und Symbolcharakter im Relikt, in der Reliquie an, sinnt auf Deckungsgleichheit, Identifizierung im Spiegel- oder Schattenbild.  Zwangsläufig bewegt sich diese Reihe auf ein Ende zu: den Tod.  Im Tod scheint alles Fragmentarische zusammengefunden.  Für die Lebenden ist der Tod – das einzige, was ein Leben wirklich abschließen kann – wieder Fragment.  Wir sprechen von der „sterblichen Hülle“, von Erinnerungen.

Fragment ist Ankunft, hatte ich eingangs gesagt.

Wer ankommt, weiß in der Regel, wohin er gefahren ist: Er ist im ganz Anderen angekommen.  Zuallererst sucht er nach einem Plan der neuen Gegend.  Ihm graut vor jedem überflüssigen Schritt, den er dennoch jetzt unentschieden unternimmt, solange er auf seine Gastgeber, die ihn abholen wollten, warten muß.  Oder er wird nicht abgeholt, seine Ankunft ist unvorbereitet.  Er versucht sich zu erinnern, an die Abfahrt, den allmählichen Verlust an Nähe, den Zugewinn an Ferne, der nicht ferner werden konnte, bis das Eigene an das Fremde stieß, das jetzt so nah ist, daß nur noch Exil nach innen möglich ist.

 

III.

Das Fragment ist der Speicher für alle nur möglichen Anfänge.  Die Erinnerung, der Traum, jede Art schöpferischen Tuns nährt sich am Fragmentarischen.  Nicht Speicher im Sinn der Genforschung, in der jedes Fragment unseres Körpers, jede Zelle die gesamte Information unserer leiblichen und seelischen Persönlichkeit enthält – eine gefährliche Sicht des Fragmentarischen, dessen entschlüsselbarer Code in die Verführung zur Reproduzierbarkeit des Menschen mündet.  Und auch nicht Speicher im digitalen Verständnis als berechenbarer, quantifizierbarer, jederzeit verfüg- und veränderbarer Funktionswert.

Das Fragment als Speicher ist ein offenes Gelaß, das uns im Augenblick des Betretens mit allein nur uns erreichbaren, bewegenden und beweglichen Anlässen empfängt.  Sobald wir uns für einen Anlaß entscheiden, werden wir ihn ergreifen und „auf die Spitze treiben“, sprich: Wir werden von ihm zu seiner augenblicklich besten Realisierbarkeit geführt.  Wir erinnern uns an Platon, Rilke: Die Sprache, ob die der bildhaften oder Wortkunst spricht sich selber, „Fangenkönnen ist ein Vermögen, nicht deines, einer Welt“.  Nachdem ich „Speicher“ und „Spitze“ mit meinen Überlegungen zum Fragment verbunden hatte, schlug ich die etymologische Wurzel von Speicher eher pflichtgemäß nach: ich fand seine lateinische Wurzel in „spica, Ähre, eigentlich -Spitze-„.

Diese Wesensbestimmung des Fragmentes als Speicher für alle nur möglichen, auf die Spitze zustrebenden Anlässe liegt jedem künstlerischen Prozeß zugrunde.

Das Beispiel aus meiner eigenen Arbeit ist die Entstehung, Erarbeitung von „Fragmenttexten“. Vermittelbar sind sie als ausgestellte in künstlerischen und publizierte in literarischen Zusammenhängen seit 1979.

Ich verwende den Begriff „Fragmenttext“ auch dann noch, wenn die „Komplettierung“ des fremden Textkerns, Texttorsos, an seinen beschnittenen Rändern durch eigene, hinzugefügte Wortfragmente be-grenzt, jetzt Sinnfälligkeit signalisiert. Im Rahmen eines Pro-seminars der Universität Greifswald zur Experimentellen Literatur/Kunst / Learning by doing wurde den Studenten ein Textfragment aus dem Programm der SED zur „Bearbeitung“ vorgelegt – die verschiedenen „Komplettierungen“ dokumentieren die „Speichertheorie“.

Das den verletzten Zeilenrändern hinzugefügte Sprachmaterial besitzt ebenso den Status eines Fragmentes wie sein Anlaß, einen Text-Heraus-schnitt, beliebig, aus beliebigen Druckwerken.

Das Zusammenfinden beider Textfragmente führt zu einer Lesart, die im literarischen Sinne „Sinn macht“, im künstlerischen Kontext, oft rücksichtslos nach formalen Aspekten be-schnitten und handschriftlich bearbeitet, eine“Aestetik des Fragments“ postuliert.

Das eigensprachlich Fragmentarische, ob handschriftlich, per Reiseschreibmaschine, Stempel oder Letraset, entbehrt nicht – isoliert ent-ziffert – einer Beliebigkeit, und doch konnte es nur zustande kommen, weil das Fremdtext-Fragment, als Gegenstand der augenblicklichen Gestimmtheit und Erwartung, gefunden war. Dieser Texttorso, seinem einstigen Zusammenhang ent-schnitten, entfremdet, hat sein MILIEU gewechselt; einem fremden Text entwendet, anonymisiert, reduziert bis zur Unkenntlichkeit, Unrecherchierbarkeit, reduziert auf seine buchstäbliche Materialität, hat seine Urheberschaft eingebüßt: Seine Sinnträgerschaft in Zugehörigkeit zu einem einstmals Ganzen, einer wie immer formulierten, geladenen Botschaft, wurde fragmentiert, verletzt, ja, mißachtet. Das bedeutet:

Einer möglichen neuen Lesbarkeit, die wiederum eine Botschaft entziffern läßt, geht der Akt der Versehrung, Verunkenntlichung voraus, die Fragmente werden Reklameblättern, Handzetteln, Werbebroschüren, Verpackungen, seltenen Kulturartikeln oder literarischen Quellen ent-schnitten, deren potentielle „Wiederherstellung“ nicht nur unberücksichtigt bleibt, sondern vermieden werden muß – hier liegt Material vor, das neu anverwandelt wird so lange, bis das Fremdgesetzte einer Eigengesetzlichkeit gehorcht.  Die Auslotung der Wertigkeit von Ursprungs- und Neutext spielt keine Rolle mehr.

Diese respektlose Art, die Vogelfreiheit des gedruckten Wortes bis zur buchstäblichen Vereinzelung auszuspielen, signalisiert die Elastizität des respektabel Gedruckten, ist Ausdruck zeitgeistiger Verfügbarkeit über Lebendiges, Lebloses, Bewegliches und Unbewegliche Aufforderung zur Weiterverarbeitung inbegriffen. Über diesen Umweg gerät der digitale Umgang mit Sprache, Sprachformen – und Wirklichkeiten doch noch einmal in den Blick: unvermeidbar für heutige Praktiken in, mit und für das Finden von Fassung der Wirklichkeit an der Jahrtausendgrenze, unvermeidbar auch für alle Formen von Kritik daran, vermeidbar jedoch mit allem Nachdruck in der Bearbeitung von Fremdtext nach der „Fragmenttextmethode“.

An den typografischen Grenzen von Fremd- und Eigentext scheiden sich die Geister.  Unter Zuhilfenahme eines Computers geriete diese Methode zu kunstgewerblerischem Besserwissen, zur Attrappe jenes künstlerischen Ankunftsprozesses, an dessen Rändern und Grenzen noch Wildnis aufscheint, isolierte Wildnis sicherlich, die ihren Rückzug bereits angetreten hat in die geistigen Exile eines unerschütterlichen Glaubenwollens an glückliche Fügungen in einem grenzenlos offen ausgespannten Ganzen der Welt.

Das Zusammenlesen beider aneinandergenähter Fragmente – es ist ein unnachsichtiger Spiegel, in den ich hineinschaue, ein Aufblitzen von Sinn während immer vorläufig bleibender Fahndung nach einer Erfüllung von Sprache entlang scheinbar unvereinbarer Grenzen, während alles auf die Mitte zustrebt, die sich ständig verschiebt.  Beharrlichkeit des Abstandes zu aller Eindeutigkeit.  Das Unmittelbare.  Dem Zwiespalt das Zwie entzogen wie die Strahlen der Mitte.  Könnte ich Punkte setzen, von nichts aus, von mir nicht, wo bin ich dann?

 

 

***

Angelika Janz

Weiterführend → Lesen Sie auch das Kollegengespräch, das A.J. Weigoni mit Angelika Janz über den Zyklus fern, fern geführt hat. Vertiefend ein Porträt über ihre interdisziplinäre Tätigkeit, sowie einen Essay der Fragmenttexterin. Ebenfalls im KUNO-Archiv: Jan Kuhlbrodt mit einer Annäherung an die visuellen Arbeiten von Angelika Janz. Und nicht zuletzt, Michael Gratz über Angelika Janz‘ tEXt bILd