Am Abend

 

Stella legte sich auf den Teppich und schnitt aus Zeitungen und Illustrierten ein Wort nach dem anderen aus, kleine Sätze, auch Bildchen und Symbole, farbig, schwarz, und grau und blass, klebte sie dann auf weißes Papier, und so entstanden kleine skurrile Texte, die sie da zurecht schnipselte, manche waren traurig, andere absurd. Gedichte aus lauter Sandkörnern. Ich sammle das Strandgut der Zeit … Ich stehe am Sommerrand, las sie, da kam ein aufgeräumter Mann, hatte kreideweiße Schuhe und pfiff ein Möwenlied … Stella im Sand, das ganze Haus roch nach Meer, den der Wind in alle Zimmer wehte. Am Strand der Wörter entstehen die Dünen, sagte sie.

 

 

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Gionos Lächeln, ein Fortsetzungsroman von Ulrich Bergmann, KUNO 2022

Vieles bleibt in Gionos Lächeln offen und in der Schwebe, Lücken tun sich auf und Leerstellen, man mag darin einen lyrischen Gestus erkennen. Das Alltägliche wird bei Ulrich Bergmann zum poetischen Ereignis, immer wieder gibt es Passagen, die das Wiederlesen und Nochmallesen lohnen. Poesie ist gerade dann, wenn man sie als Sprache der Wirklichkeit ernst nimmt, kein animistisches, vitalistisches Medium, sondern eine Verlebendigungsmaschine.

Weiterführend →

Eine liebevoll spöttische Einführung zu Gionos Lächeln von Holger Benkel. Er schreib auch zu den Arthurgeschichten von Ulrich Bergmann einen Rezensionsessay. – Eine Einführung in Schlangegeschichten finden Sie hier.

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