Fischballett

Der Himmel ist möwengrau. Wölkchen reiht sich an Wölkchen. In den Augen des Seehundes spiegelt sich dieses Himmelsspiel für Sekunden. Dann taucht er wieder in den eisigen Spiegel. Schon lange hat der Gletschersee im tiefen Südosten keine blanke Sonne mehr gesehen – war vielleicht auch gut so. Wie leicht leckte das gelbe Ding da oben die türkisblauen Kissen weg. Also schiebt und drängelt, zieht und hebt sich, was aus Eis ist und in Wasser schwimmt.

Und der Dreck der Ufer zieht sich ins Reine und schwärzt und marmoriert es. Und darüber schwirren Küstensee schwalben und scheißen auf alles und tauchen kamikaze artig ins klare Nass und schnappen die glatten Sandaale, die knapp unter der Wasseroberfläche schweben. Und die schlanken Fischlein, jetzt entlebt, biegen sich im heftigen Wind und tanzen im Vogelschnabel wie im Ballett. Noch im Tode eine überzeugende Aufführung!

Und die Raubmöwen. Graubraune, fast riesige Himmels körper, die schier aus dem Unendlichen im Graublau des Himmels entmaterialisieren. Sie reissen Fische und kleinere Möwen, Seeschwalben und manchmal auch nur eine in den See entlassene Plastiktüte aus Menschenhand. Reißen und steigen auf wie Raketen und krächzen »Einer zum Beamen« und weg sind sie.

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Europas wilde Natur, Island, von Peter Ettl, Literarische und fotografische Begegnungen mit Island. Silver Horse Edition, Marklkofen 2019

Weiterführend

Ein Porträt des Herausgebers und Lyrikers Peter Ettl findet sich hier. – Poesie ist das identitätsstiftende Element der Kultur, KUNOs poetologische Positionsbestimmung.