Lauter Fragen

Ist das Gedicht umgekippt? Oder stürzt der Himmel ein? Oder ist das lyrische Ich an den Himmel gesprungen?

Wo schaut es hin? Denkt es über die Leerstellen des zum Bild gefrorenen Seins nach? Fasst es sich selbst als eine Leerstelle auf, oder als das Bild einer Leerstelle, sodass am Ende die Leerstellen eingefroren sind und kalt bleiben? Friert die Leere und will auftauen?

Aber wo ist die tötendste Landschaft der lebendigen Toten? Wo ist die Schere, in die ich hineinschreite? Bin ich etwa selber dieses andere Ich? Will ich mich als Bild beschreiben, oder beschreibt mich das Bild, wie ich in die Schere schneide? Wo ist die Espressotasse, ist sie abgestürzt, aus dem Bild gefallen, ausgebrochen in die Freiheit der Leere, die noch nicht Bild sein muss, oder ist das Bild aus der Leere gefallen wie der Wille ins Gefängnis der Vernunft?

Ist denn etwa die Vernunft ein Espresso mit wogender See, in die ich stürze, wenn ich mich mit dem Bild umdrehe? Handelt es sich um einen auf den Kopf gestellten Baselitz oder um einen vom Kopf wieder auf die Baselitzfüße gestelltes Bild des Bildes?

Fällt der Himmel ins Meer oder flutet das Meer zum Himmel?

Bin ich vielleicht untergetaucht, nur so abgesoffen, weil ich mir das Atmen versage? Kippt hier alles um, wenn der Autor abstürzt? Wer spricht alle diese verkehrten Wörter?

Wo ist der Autor? Collagiert sich hier das Nichts?

Sind Fragen die besseren Antworten oder sind Antworten die besseren Fragen?

 

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Aus der Reihe Keine Bojen auf hoher See, nur Sterne … und Schwerkraft Gedanken über das lyrische Schreiben.

 

Eine Würdigung von Ulrich Bergmann finden Sie hier.