Kulturrezeption im Wandel der Technik

Gespräch Günter Gaus mit Erich Honecker, Photo Peter Koard

Nach Ansicht der Autorin Manuela Hertel hat „Günter Gaus mit seiner Sendereihe Zur Person das Interview auf ein Niveau erhoben, das seither niemals wieder auch nur in Ansätzen errreicht wurde. Vornehm-zurückhaltend und dabei dennoch immer wieder hartnäckig nachfragend ist der Stil dieses Herren so unendlich viel wohltuender und intellektuell anregender als der heutige unerträgliche Talk-Show-Zirkus.“ Wie entlarvend diese Interview-Technik wirkt, merkt man beim Interview mit dem großen Apo-Führer, der sich quase selbst zerlegt. Wir müssen dankbar sein, daß diese Sternstunden des Fernsehens online recherchierbar sind.

Im Kontext: Kollegengesepräche

Mein liebster „Schrottplatz“ ist www.vordenker.de. Dort findet sich das von mir lektorierte Projekt Kollegengespräche. Zwischen 1995 und 1999 hat A.J. Weigoni gemeinsam mit Kollegen aus Deutschland, Belgien, Österreich, Rumänien und der Schweiz eine Reihe von Kollegengesprächen gemacht. Ausgang dazu war die Rezeption von Literatur im neuen Deutschland. Mit seinen Gesprächspartnern, die er subjektiv auswählte, stimmte Weigoni weitestgehend darin überein, dass Literatur in diesem unserem Lande von Germanisten beurteilt wird, also von Fachleuten, die wahrscheinlich am wenigsten über den Gegenstand wissen, über den sie im allgemeinen Interesse urteilen. Für diese Form von Gesprächen nahmen sich die Kollegen uns Zeit. Viel Zeit. Oft mehrere Monate. Mit einem etwas veralteten Medium, dem Briefeschreiben, stellten sie sich Fragen, die auch eine breitere Öffentlichkeit interessieren könnten. Im Laufe der Zeit ergab das allmählich die Form einer journalistischen Gattung, das Interview, bei dem im günstigsten Fall zwei Insider über das reden, von dem sie mehr verstehen als die sogenannten Fachleute. Es ist ihnen gelungen eine Sekundärliteratur zu produzieren, die ihren Namen verdient. Kürzlich hat Weigoni für KUNO diese Tradition aufgegriffen und einen Sekundär-Archäologen zum Gespräch gebeten.

Sprachliche Standards in Zeiten der Globalisierung

Inwieweit sich der Zeitgeist verändert hat, beschreibt Tim Parks in einem interessanten Blogbeitrag für die NY Review of Books über sprachliche Standards in Zeiten der Globalisierung nach – eine Problematik, die, ohne daß er es ausspricht, natürlich vor allem das Englische betrifft: Wir werden wohl akzeptieren müssen, schreibt Parks, dass wir in einer Ära großen Durcheinanders leben, in der die Positionierung eines Schreibers zu einem angeblichen kulturellen Standard extrem problematisch wird.