Luftig und locker: Deutsche Post

Nein,

über Portoerhöhungen will ich nicht sprechen. Die verstehen sich bei der Post von selbst. Es geht mir eigentlich nur um die Menschen, die Bücher lesen, die Bücher kaufen, die Bücher verkaufen, also wieder zur Post bringen und versenden.

Dafür haben die lieben Leute von der Post eine besondere Versendungsform geschaffen: die Büchersendung. Sie kostet etwas weniger als der normale Brief. Wird aber auch langsamer befördert. Noch langsamer. Ganz langsam. Und muss natürlich – wozu hätten wir sonst unsere lieben gelben Beamten – formalen Kriterien genügen. Offen muss sie sein, mit einer speziellen Klammer versehen.

Werbung ist nur auf dem Umschlag und auf je zwei aufeinander folgenen Seiten am Anfang und Ende des Werkes zugelassen. Oijoijoi. Welche Werbung auf auf welchem Umschlag? Früher hieß es auch noch Die Büchersendung darf nicht geschäftlichen Zwecken dienen. Ah. Verlage dürfen demnach keine Bücher per Büchersendung an Privatleute zwecks Verkauf schicken. Und dann las der staunende Postkunde: Die Bücher und Broschüren müssen einen Einband oder Umschlag haben und an der Seite fest zusammengehalten sein.

In der Mitte etwa?

Mal Hand aufs vergilbende Herz: Kennt jemand Bücher, die keinen Umschlag haben – es sei denn, der Hund hat ihn bei seiner letzten Wahnsinnsattacke vom Rest des Buches entfernt??? Und wo, um alles in der postalischen Welt, sollten Bücher denn zusammengehalten werden? In der Mitte etwa? Oder unten?

Na. Ich will die Gelben nicht zu sehr anschwärzen. Schließlich sind sie lernfähig. Haben sie doch tatsächlich nach einigen Jahrzehnten heftigen Grübels festgestellt, dass die Versendungsformen Büchersendung Standard und Büchersendung Kompakt wohl doch nicht das Gelbe vom Ei waren. 0,41 Cent wären auf die leichteste der Bücherpost zu kleben. Fein. Wären deshalb, weil es eher unwahrscheinlich ist, dass irgendwelche Verlage Bücher herstellen, die weniger als 20 Gramm wiegen – weit weniger, denn die Verpackung wird ja mitgewogen. Ein Beispiel: Ein Luftpolster-Umschlag wiegt zwischen 15 und 30 Gramm. Seien wir mal gnädig und lassen diesen Umschlag nur 15 Gramm wiegen, die Verschlussklammer schwerelos sein, die Briefmarke ebenso (Luftpost sozusagen), dann bleiben laut Post für unser zu versendendes Buch noch 5 Gramm übrig.

Das ist jetzt nicht so einfach. Denn jeder, der ein normales DIN-A-4-Blatt auf die Briefwaage legt, kommt auf ca. 5 Gramm. Wo, um alles in der Welt, soll ich denn jetzt einen Umschlag um das Blatt klatschen, Werbung hin oder hier. Wie soll ich denn das eine Blatt an der Seite zusammenhalten, da brauche ich ja auch noch Klebstoff oder Klammer – und das wiegt, das wiegt …

Ja gut, sagt der sportliche Verleger. Dann halt Büchersendung kompakt. Mit 0,56 Cent ist das ja auch noch günstig – und es dürfen 50 Gramm sein. Da kann ich um mein einsames Schreibmaschinenblatt noch ein 100-Gramm-Kartönchen knallen.

Vorbei …

Ach, heute, okay, morgen, ist die Zeit der flockig-locker-leichten Bücher vorbei. Standard und Kompakt kommen am 1. Januar 2013 – zum Anlaß der nicht unbeträchtlichen Preiserhöhung für die Büchersendungen bis 500 bzw. 1000 Gramm (nein, schwerer dürfen Bücher in D. nicht sein) – auf die Ewigkeitsablage und dürfen dort vergilben. Schade, jetzt muss ich meinen gesammelten Werken auf zwei Seiten (ja, bedruckte Papiere, die als Büchersendungen verschickt werden, dürfen tatsächlich beidseitig beschriftet sein!) doch noch einige hinzufügen. Ich darf im Buch sogar nach neuer Post-Vorschrift eine Widmung handschriftlich unterbringen. Wow!

Aber Vorsicht, wenn ich der Widmung eine Höflichkeitsformel wie Mit freundlichen Grüßen hinzufüge, habe ich die Sendungsart Büchersendung verwirkt. Aber eine ›Unhöflichkeitsformel‹ wie ›Möge das vorliegende Buch deine noch vorhandenen Hinbrösel vernichten‹  ist demnach genehm?

Wäre doch schön, wenn unsere postalischen Bürohengste auch gleich eine Widmungsformel vorgeben würden – dann könnte man sich so manchen Gedanken sparen.

Nix für ungelbgut …

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Ein Porträt von Peter Ettl und der Edition Silver Horse finden Sie hier. – Poesie zählt für KUNO weiterhin zu den identitäts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer poetologischen Positionsbestimmung.