LiteraturClips • Revisited

Die CD Literaturclips von 1991 produziert vom Sprechsteller A.J. Weigoni und dem Komponisten Frank Michaelis ist ein wegweisender Vorläufer des modernen deutschen Hörbuchs. Ihre Bedeutung liegt vor allem in ihrer Pionierrolle zu einer Zeit, als das Medium Hörbuch in seiner heutigen Form im deutschsprachigen Raum noch kaum existierte. 

Bereits 1991 erkannten Weigoni und Michaelis als eine der ersten den künstlerischen Wert der CD für die Literaturvermittlung. Zu dieser Zeit setzten große Verlage noch vorwiegend auf die Compact Cassette (MC). Die Veröffentlichung erfolgte zu einem Zeitpunkt, als der Begriff „Hörbuch“ als feststehende Markenkategorie noch nicht etabliert war. Die Produktion wurde seinerzeit oft als Experiment wahrgenommen und die Macher teils als „verrückt“ belächelt.

Die „Literaturclips“ markieren den Übergang von der rein dokumentarischen Lesung zum gestalteten, crossmedialen Hörkunstwerk und gelten heute als ein Meilenstein der Underground- und Independent-Hörbuchgeschichte. 

Die Literaturclips und die nachfolgende CD Top 100 brachen mit der Tradition langer, statischer Lesungen. Inspiriert von der Ästhetik des Musikvideos (Videoclips), setzten sie auf kurze, prägnante Einheiten und eine enge Verbindung von Text und Komposition. Das Projekt gilt als Versuch, Lyrik und Prosa aus der rein textlichen Fixierung des Buches zu lösen und sie als eigenständiges akustisches Kunstwerk („Klangbuch“) zu inszenieren.

Diese Veröffentlichung zählt zu den ersten Schritten in Richtung der späteren digitalen Hörbuch-Formate, die durch das Internet an Popularität gewannen.

Top 100 integrierte literarische Texte mit musikalischen und akustischen Elementen, was das Zuhören ansprechender machte. Durch den Einsatz von verschiedenen Medien stellte die CD eine frühe Form dar, die über einfache Lesungen hinausging. Die CD ermöglichte es, ein breiteres Publikum zu erreichen, auch Menschen, die vielleicht nicht regelmäßig Bücher lasen.  Audiovisuelle Inhalte machten komplexe Literatur zugänglicher, besonders für junge Zuhörer und Menschen mit Leseschwierigkeiten.

Insgesamt war die CD „Top 100“ von A.J. Weigoni ein bedeutender Faktor in der Evolution des Hörbuchmarktes. Sie half, Hörbücher als ernstzunehmendes Medium zu etablieren und setzte Standards, die die Branche nachhaltig prägten.

Diese Literaturclips stellten einen innovativen Beitrag zur Entwicklung des Hörbuchs dar, indem sie literarische Inhalte in einem ansprechenden, multimedialen Format präsentierte und die Zugänglichkeit von Literatur für eine breitere Öffentlichkeit förderte. Sie können als Vorreiter für zukünftige Entwicklungen im Hörbuchsegment angesehen werden. Der Erfolg der CD trug indirekt zur späteren Umstellung auf digitale Formate und Streaming-Dienste bei, die in den folgenden Jahren populär wurden.

 

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Top 100, von A.J. Weigoni bei Constrictor, Dortmund 1995

Weiterführend → Als A.J. Weigoni 1991 seine LiteraturClips auf CD (der Claim für Klangbücher war noch nicht abgesteckt) realisierte, hat man ihn für verrückt gehalten. 1995 begann ihre Zusammenarbeit, die mit dem Hörbuch Gedichte einen sinnfälligen crossmedialen Zirkelschluß findet, zu dem Täger als Hörspielkomponist mit Señora Nada eine Musik der befreiten Melodien zelebiert oder bei dem zweiten Monodram Unbehaust eine Klang-Collage aus Papiergeräuschen anfertigt.