Dime Novels

A Bad Boys Diary erschien 1880 erstmals anonym als Taschenbuch bei Ogilvie in New York und wurde zum großen Erfolg. Es erschien mit Rechtschreibfehlern und im Slang (»I was ate years ole yesturday, an Mamma she sez to me«) sowie mit Wortspielen und frechem Jargon. »The funniest book ever written«, hieß es in Rezensionen. Es gab viele Übersetzungen und Bearbeitungen, doch wegen der Anonymität des amerikanischen Originals wurde oft im Text herumgepfuscht, Georgies Orthographie wurde z.T. korrigiert, seine Abenteuer gekürzt und neue dazuerfunden. Daß »Gian Burrasca«, ein beliebtes italienisches Kinderbuch neben Pinocchio, ein Plagiat von A Bad Boy?s Diary ist, wissen nur wenige. Ní Gudix Übersetzung »Tagebuch von nem schlimmen Schlingel« ist der Versuch, einem der Ur-Lausbuben der Weltliteratur wieder zu Ruhm und Ehre zu verhelfen.

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Tagebuch von nem schlimmen Schlingel, von Metta Victor Killroy Media, 2010

KUNO hat seit jeher ein Faible für Trash. Dem Begriff Trash haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer öffentlichen Institution. In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsmöglichkeiten von populärkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay Perlen des Trash stellt diese Reihe ausführlich vor. Daher sei sei Enno Stahls fulminantes Zeitdokument Deutscher Trash ebenso eindrücklich empfohlen wie Heiner Links Vorwort zum Band Trash-Piloten. Ebenso verwiesen sei auf Trash-Lyrik.

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