Orte. Wege. Pflanzen.

Dem Regionalismus kommt eine bedeutende Rolle zu nämlich die Zentralität durch Neu-Definition und Eigenbewusstsein zu relativieren, die “Nation” zu einem Konglomerat heterogener Einheiten umzucodieren, ja sie aufzulösen im Ländermiteinander, allgemeine Gleichheit herzustellen im Sinne einer libertären Topografie. Viel einfacher ist internationaler Kontakt im Kontext der Regionen, also der Menschen, als auf Regierungsebene. Je mehr die Grenzen weg fallen, desto mehr erkennt man die Willkür ihrer Demarkation.

Wenn hier von Rheinland die Rede ist, meint das jene Gebiete links und rechts des Flusses, die man heute zu Deutschland, Holland und Belgien rechnet.

Wenn hier von Erde die Rede ist, dann meint das geologische Formationen.

Wenn hier von Wurzeln die Rede ist, dann meint das simpel Herkunft und nicht zuletzt Geschichte  jene Geschichte der Freiligrath, Kinkel, Schurz, Marx und Engels, Heine und Beuys ganz besonders und vielleicht ein bisschen Heinrich Böll.

Es handelt sich um eine Vergewisserung: wo man war, wo man steht, wohin man geht — in Europa, in der Welt.

Als Mittel dient die Aufmerksamkeit für ORTE, die Bedeutung besitzen mögen: individuelle oder allgemeine; für WEGE, die exemplarisch für (geografische oder psychische) Bewegungen, Fortgang, Verkehr und Verbindung stehen, in der Vergangenheit, jetzt und in Zukunft; für PFLANZEN, die uns charakteristisch umgeben: sollten sie nur hier vorkommen oder auch hier: als das jedenfalls, was mit Plätzen und Wegen das Bild komplettiert.

 

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Auszug aus: Heimat & Weltall. 2 Zyklen, von Enno Stahl, Ritter, 2009, broschiert, mit Fotoarbeiten des Autors.

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