HANS IM GLÜCK

– Verlängertes pasquill* auf einen wechselbalg

 

Trümmer und ablaßstätte

vererhardtet nellyversachst

gedeckt mit lügenpfette*

Sagten sie: je ne regrette

zücktest du aber die axt

 

Machtest auf rollkragenfêten

das enfant terrible infam

brachtest den anachoreten*

den ersten politen poeten

fraglich ob blind oder lahm

 

Hakenschläge gezielte

den kritikern immer voraus

die man auf abstand hielte

doch selbst Durruti spielte

sich Reich Ranicki ins haus

 

Saßt in rebellischen zügen

auf dem kommandowaggon

Wütenden sollte genügen

daß sie den horizont rügen

quer durch den geistesrayon*

 

Angekohlte gerichte

tränentreiben im saal

Nieder die messergedichte

machen wir seitengeschichte

zünden das prellbocksignal

 

Durch deine schnelle kanüle

spritzte heraus: häresie

Schwarz ist der rand der kalküle

darin gefangen gefühle

Nicht mehr dabei warst du nie

 

Sand in der ohrschneckenschründe*

daß nicht der Günther gemein

wenn er die trommel nicht ründe

ne zahnarztfachzeitung gründe

Taufe der Breakdown Line

 

 

Durch die revoltenlokale

reist du nun feinschmeckerisch

Im bunker gibt’s keine aale

und der chablis hat fatale

blume zum Fessenheimfisch

 

Nun ist der coup geraten:

weltuntergang flambiert

reichst du den altkameraden

auf Telgter treffen mit schwaden

rauchs zum panurgen* verziert

 

Und mit sidepipe feiert

die crew daß die heuer sie rief

Der da hat‘s angeleiert

sitzt auf dem kai und meiert*

nase im Spiegelarchiv

 

 

 

 

 

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Rohlieder I – X von HEL, KUNO 2018

HEL ist bekannt geworden als Publizist gesellschaftskritischer Lyrik sowie Essays. Nach dem Zyklus Zeitgefährten, die zwischen 1977 – 2008 entstanden sind, veröffentlicht KUNO die Reihe Rohlieder I – X, die dank Caroline Hartge neu ediert worden sind. Diese Gedichte legen eine Stimmung frei, die zwischen Melancholie und Unbeschwertheit, Wehmut und Klarheit wechselt.

Weiterführend →

Eine Würdigung von HEL findet sich hier. Ein faszinierend langer Briefwechsel zwischen Ulrich Bergmann und HEL findet sich hier. Eine Hörprobe des Autors findet sich auf MetaPhon.