Die Eroberung die Blogosphäre

Am 13. November 1990 ging die Webseite von Softwareentwickler Tim Berners-Lee online, die bis heute als offiziell erster Blog gilt. Berners-Lee nutzte diesen zum Informationsaustausch zwischen Wissenschaftlern vom europäischen Kernforschungszentrum bei Genf, wo er zu der Zeit arbeitete. Mitte der 1990er Jahre folgte eine Reihe anderer Blogs. Sie wurden z. B. Online-Tagebücher genannt und waren Webseiten, auf denen Internetnutzer periodisch Einträge über ihr Leben machten. Frühe deutschsprachige Weblogs waren etwa netzine.de (1. Ausgabe am 3. Januar 1996 im Netz) von Walter Laufenberg, Robert Brauns Weblog, Moving Target und das von Christiane Schulzki-Haddouti gegründete „Cybertagebuch“, das sich an Kinder und Jugendliche richtete und später von der Aktion Sorgenkind übernommen wurde. Über das CL-Netz wurde das Zagreb Diary des niederländischen Journalisten Wam Kat verbreitet.

Ab 1996 wurden Dienste wie Xanga eingerichtet, die Internetnutzern auf einfache Weise das Einrichten eines eigenen Weblogs ermöglichten. 1997 wurde eines der ersten Blogs gestartet, das bis heute existiert, namens Scripting News von Dave Winer. Ein weiteres frühes Blog war Robot Wisdom von Jorn Barger, das als erstes mit dem Begriff „Weblog“ bezeichnet wurde. Nach einem langsamen Start wiesen solche Seiten ab Ende der 1990er Jahre ein schnelles Wachstum auf. So wuchs Xanga von 100 Blogs im Jahr 1997 auf 20 Millionen im Jahr 2005. Seit einigen Jahren wird das „Bloggen“ auch geschäftlich in sogenannten Corporate Blogs oder Unternehmensblogs genutzt. So betreiben viele Medien inzwischen eigene Blogs, um ihren Leserkreis zu erweitern und Rückmeldungen von ihren Lesern zu bekommen. Der US-amerikanische Wörterbuchverlag Merriam-Webster wählte die Kurzform „Blog“ zum Wort des Jahres 2004.

Wird das Gedächtnis der Gesellschaft zu einem funktionellen Hohlraum?

Das Gedächtnis der Gesellschaft ist im medialen Wandel. Es geht KUNO um ein erneutens Hinsehen, ein Zurückschauen, Überprüfen und wieder Durchsehen. Blicken wir beispielsweise zurück in die Antike, so haben sich unterschiedliche Formen und Medien von Gedächtnis herausgebildet, welche den Anforderungen der jeweiligen Epoche in dem Punkt entsprachen, was erinnert und was vergessen werden sollte. Mit zunehmender Komplexität der Mediengesellschaft erweitert sich die Kapazität an kulturellen Inhalten und Kommunikationen jedoch so dramatisch, das neue Formen der Selektion gefunden werden müssen. Als Speicher ausrangiert, als Archiv überlastet, muss das Gedächtnis der Gesellschaft in der Lage sein, möglichst viel auszusortieren; die Massenmedien dienen als Werkzeuge dieser Vergessensleistung.

Das oberste Ziel: Dialog, Gleichberechtigung, Transparenz, Offenheit.

KUNO ist ein Speicher der Ideengeschichten. Archive beherbergen die intellektuellen Ressourcen und kulturellen Zeugnisse unserer Zivilisation. Die Redaktion versucht mit diesem Online-Archiv Entwicklungslinien und Querverbindugen per Hyperlink nachzuvollziehen.  Die Idee einer Open-Source-Kultur stand Modell sowohl für I-Tunes und Google als auch für die ganze rhizomatische Art des Geschichtenerzählens im Internet. Marshall McLuhan sprach bereits in den 1960-er Jahren von einer Kultur des geteilten Wissens, des ständigen Austauschens und Modifizierens. Die Kulturnotizen sind der Versuch die Wunderwerke der Informations– und Kommunikationstechnologie mit Formen gesellschaftlicher Solidarität zu kombinieren. Um ein Edition zu betreiben, braucht man Optimismus, eine Mission oder den Glauben an eine Marktlücke, einen Riecher für den Trend, eine gute Portion Verbohrtheit. Diese Artisten machen keine Kunst, um Antihelden einer Subkultur zu sein, sondern vor allem, um die Sinngebung durch Kunst zu retten, um als Individuen zu überleben.

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Weiterführend →

Das Grundproblem der Erinnerungskultur, der Zeugenschaft, der Autorschaft, ist die Frage: Wer erzählt, wer verarbeitet, wem eine Geschichte gehört? – Die ausführliche Chronik des Projekts Das Labor lesen sie hier. Diese Ausgrabungsstätte für die Zukunft ist seit 2009 ein Label, die Edition Das Labor. Diese Edition arbeitet ohne Kapital, zuweilen mit Kapitälchen, meist mit einer großen künstlerischen Spekulationskraft. Eine Übersicht über die in diesem Labor seither realisierten Künstlerbücher, Bücher und Hörbücher finden Sie hier.