
A.J. Weigoni, Frank Michaelis, Helga Dürr, Sylvie Masczyk, Thomas Suder
Das Tanztheaterstück „The Vera Strange Tapes“ von A.J. Weigoni, Frank Michaelis, Helga Dürr und Sylvie Masczyk stellt eine faszinierende Art der künstlerischen Ausdrucksform dar, die sich mit der Komplexität menschlicher Erfahrungen auseinandersetzt. Veröffentlicht auf einer Kassette im Jahr 1989, verbindet es verschiedene Medien und Stilrichtungen, die miteinander interagieren und dadurch ein einzigartiges Erlebnis schaffen. Die Integration von Live-Hörspieltechniken in die Aufführung schafft eine immersive Erfahrung, die den Zuschauern nicht nur visuelle, sondern auch akustische Reize bietet. Diese Technik fördert eine neue Form des Geschichtenerzählens, in der Klanglandschaften und Geräuschkulissen die emotionale Tiefe der Darbietung verstärken.
Die Verwendung einer Kassette als Medium spielt eine entscheidende Rolle in der Entstehung des Werkes. Kassettentechnologie war in den 1980er Jahren omnipräsent und symbolisiert sowohl Intimität als auch Vergänglichkeit. Durch diese Wahl dekliniert das Stück das Spannungsverhältnis zwischen Live-Performance und aufgezeichnetem Material. Es fordert die Zuschauer dazu auf, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu hinterfragen, während sie in die Klanglandschaften eintauchen, die von den Künstlern entworfen wurden.
Ein zentrales Thema der grenzüberschreitenden ArtIQulationen ist die Auseinandersetzung mit Identität. Vera Strange wird zum Symbol für die Suche nach dem Selbst in einer fragmentierten Welt. Der interdisziplinäre Ansatz, der durch Tanz, Sprache und Klang erreicht wird, spiegelt die Diversität menschlicher Erfahrungen wider. Jede Komponente trägt zur Schaffung eines vielschichtigen Narrativs bei, das die Zuschauer sowohl emotional als auch intellektuell anspricht.
Darüber hinaus merkt man im Zusammenspiel der verschiedenen Künstler, wie kreative Kollaboration eine neue Sprache formieren kann. Die Grenzen zwischen den einzelnen Disziplinen werden fließend, was zu innovativen Ausdrucksformen führt. „The Vera Strange Tapes“ bleibt ein zeitloses Beispiel für die Möglichkeiten, die sich aus der Überwindung konventioneller künstlerischer Grenzen ergeben. Es fordert uns heraus, unsere Perspektiven zu erweitern und das Vertraute neu zu betrachten. „The Vera Strange Tapes“ ist ein Beispiel dafür, wie Tanz-Theater und Technologie miteinander verwoben werden können, um neue narrative Dimensionen zu erschließen und das Publikum auf einer tieferen Ebene zu erreichen.
***
the vera strange tapes, Tanztheaterstück von A.J. Weigoni, Frank Michaelis, Helga Dürr und Sylvie Masczyk, 1989

Wie das englische Wort lyrics (für Liedtext) verrät, basierten die antiken Vorläufer der Popmusik auf Texten, die zu den Klängen der Lyra vorgetragen wurden. Tonmeister Tom Täger hat das 1989 produzierte Tape the last pop-songs (vom DAT) digital remastered. Frank Michaelis und A.J. Weigoni haben die Energie und die Einfachheit von Pop genutzt, um komplexere Emotionen auszudrücken. Es ist beeindruckend, wie unbekümmert sie Stile, Genres und Ausdrucksmittel mischen. So entsteht eine intermediale Literatur, Poetry slams und Songtexte werden als künstlerische Artefakte wahrgenommen, die es mit ‚klassischer‘ Literatur aufnehmen kann. Sie hören ein Denkspiel über Pop, das selbst Pop ist, weil es Pop als körperverwandelndes Medium versteht und Popgeschichte als Mediengeschichte. MetaPhon präsentiert in der Reihe Revisited einen Rückblick auf „The Best Of Jugendsünden“.