BENJAMINESKE ICALLIADE

10. Januar 1998
Von

 

Er folgte geschlagen dem sternenheer

mit dem staub aus der nacht und dem salz aus dem meer

und das meer war schwarz und das boot war leer

und er kehrte noch einmal zurück

Er spielte faß und er spielte spund

mit fingern aus eisen  das nagelbett wund

Er kam wie ein panther und er ging wie ein hund

und er heulte sein heiseres stück

 

Das war der Benja der löres

im herzen ne Ööcher jung

Er jing alle nächte  ich schwör es

zur Mamm La Mort aufn sprungbrettjahr

 

Er lebte hoch in der tigerin nest

und tief im waggonstall auf Aachen West

Sein saitenvieh reierte zähne ins festhielten

und er kehrte immer zurück

Die eine war riesin  die andre ’n lamm

sie trimmten ihm ’s haar und sie küßten ihn klamm

Wie lang ist die straße nach Amsterdam

und er heulte sein heiseres stück

 

Man sah ihn in Nizza am flügel  weiß

und in der favela verwitweter kais

Nach den Summers of Love dann der vaterscnhaftsscheiß

und er kehrte immer zurück

Auch zum wanzenlager war ’s zähe zu gehen

er konnte den tag auf beton hocken sehn

Sein vater hieß Joe  seine mutter Marleen

und er heulte seine heiseres stück

 

man sah ihn in Nizza am flügel weiß

und in der favela verwitweter kais

Nach den Summers of love dann der vaterschaftsscheiß

und er kehrte immer zurück

Auch zum  wanzenlager war ’s zähe zu gehen

er konnte den tag auf beton hocken seh

Seine vater hieß Joe  seine mutter Marleen

und er heulte sein heiseres stück

 

Und spielte er  spielte die sonne mit

und es hieß daß der schiefer dann weniger litt

Aber keiner ging mit wenn die Dulle ihn ritt

und da kehrte er nich von zurück

Am ende kannt er zwei lieder  und gut

und quälte am Domplatz nen halbtoten hut

Touristen wurde so jenisch zumut

und er heulte sein heiseres stück

 

Er fiel aus dem trab und er ging aus der zeit

und die Mouche blieb da  souverän und bereit

die erde ein brocken im himmelsmaul breit

und er stieg von den bergen herab

Die lange straße geduldig und kalt

der regen warf pfennije auf den asphalt

Der sturm versprach ihm das frühherz vom wald

und das gleiten den Hades hinab

 

Das war der Benny  der löres

er blieb ene Ööcher jung

Er jing alle nächte  ich schwör es

zur Mamm La Mort auf en sprung

***

Zeitgefährten von HEL, wiederveröffentlicht auf KUNO 2017

Die Zeitgefährten sind zwischen 1977 – 2008 entstanden, es sind Gedichte für Einzelne, Kopf-, Brust- und Kniestücke, Porträts von Freunden, Kollegen, gereimte Rezensionen, Liebesgedichte, Minnesang und Totenreden, aus 33 Jahren und 7 Städten. In diesen Gedichten spürt HEL das Existenzielle im vermeintlich Banalen auf. Er hat es hat es nicht nötig, Fiktion zu erfinden … die Fiktion existiert bereits.

Weiterführend →

Eine Würdigung von HEL findet sich hier. Eine faszinierend langer Briefwechsel zwischen Ulrich Bergmann und HEL findet sich hier. Eine Hörprobe des Autors findet sich auf MetaPhon.

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