FÜR DIE BESETZER DER KASTANIENALLEE 71

 

Wir stinken nach straße und angst und haß

nach witwenscherflein und bettelerlaß

nach taubendreck abgeas verfaultem laub

nach chemischem schaum und rohbaustaub

nach nacht und nach nebel der sich nicht hebt

nach allem das stirbt bevor es lebt

Wir stinken uns warm und wir stinken uns satt

wir stinken nach dieser verdammten stadt

 

Wir stinken nach döner und zwiebeln wie ihr

nach freibank dampfküche schalem bier

nach weihrauch erbarmen und gotteslohn

nach sagrotan und nach läusepension

nach abfall von allen kalten buffets

nach abfluß im wasser des Tegeler sees

Wir stinken uns warm und wir stinken uns satt

wir stinken nach dieser verdammten stadt

 

Wir stinken nach bullenschweiß streetworkerstreß

nach talkshowlügen und messekongreß

nach streichkonzerten und hauptstadtversprech

nach benzblech und investorenbestech

nach altlastvergiftetem untergrund

nach Tschernobyl Bosnien und nach hund

Wir stinken uns warm und wir stinken uns satt

wir stinken nach dieser verdammten stadt

 

 

 

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Zeitgefährten von HEL

Die Zeitgefährten sind zwischen 1977 – 2008 entstanden, es sind Gedichte für Einzelne, Kopf-, Brust- und Kniestücke, Porträts von Freunden, Kollegen, gereimte Rezensionen, Liebesgedichte, Minnesang und Totenreden, aus 33 Jahren und 7 Städten. In diesen Gedichten spürt HEL das Existenzielle im vermeintlich Banalen auf. Er hat es hat es nicht nötig, Fiktion zu erfinden … die Fiktion existiert bereits.

Weiterführend →

Eine Würdigung von HEL findet sich hier. Eine faszinierend langer Briefwechsel zwischen Ulrich Bergmann und HEL findet sich hier. Eine Hörprobe des Autors findet sich auf MetaPhon.