Alphabetikon

4. Februar 2014
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Die künstlerische Aneignung des Alphabets als Ursprung unserer Sprache und unseren abendländischen Denkens, der Siebenmeilensprung zwischen Alpha und Omega – ein gewagter Entwurf. Dass sich Haimo Hieronymus das Alphabet vornimmt, es bebildernd beispielhaft lexikalisch durchexerziert, ist konsequente (Weiter-)Entwicklung seines gattungsübergreifenden Arbeitens. Sprache, Wörter, Buchstaben finden sich seit vielen Jahren auf seinen Leinwänden, Pappen und Papieren. Die Graphik bot sich stets an, doch drängte sich das abstrakte Zeichensystem Sprache selbst in Großformatiges, Enkaustisches oder als Störfaktor Kritzelei in Öl.

Das Alphabetikon ist nun die Fortführung des Künstlerbuchs mit anderen Mitteln: Als Bilderlexikon, als motivische Reflexion, Mäandern in der scheinbar willkürlichen Aufzählung, frei nach Borges. Stellenweise meint man eine künstlerisch-selbstreferentielle Auswahl zu bemerken, anderswo dann wieder einen zeit- und raumübergreifenden Universalitätsanspruch. Im Alpha und im Omega ist beides enthalten – das eine im anderen und umgekehrt. Zu wörtlich nehmen darf man das Titelwort dann aber nicht – finden sich doch auf den Leinwänden nicht griechische, sondern lateinische Buchstaben. Deutsche Wörter formend. Deren Wurzeln wir uns erst beim Reflektieren dieser scheinbaren Ungereimtheiten gewahr werden – auch hier fließt das eine in das andere über. Enzyklopädisch-sklavische Systematik ist Hieronymus dabei fremd – es geht um das Erleben und Neubeleben von Sprache durch Bilder.

Und unübersehbar sind sie, diese Bilder. Bunter, poppiger, plakativer als vieles Bisherige aus dem Hause Hieronymus. Das mag anfangs irritieren, dann aber folgerichtig auf den Lesepfad der Popkultur führen. Haimo Hieronymus’ semiotische Doppelbödigkeit spielt gewohnte Seh- und Leseerwartungen gegeneinander aus und unterwandert damit gekonnt illustrative Untiefen. Ein Drahtseilakt zwischen Imagination und Illustration.

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Alphabetikon, aktuelle Arbeiten von Haimo Hieronymus in der Werkstattgalerie Der Bogen (Möhnestr. 58 / 59757 Neheim bei Arnsberg). Dauer der Ausstellung 19. Januar – 7. Februar 2014.

Die Künstlerbücher Unbehaust, Faszikel und Idole sind ebenso wie die Neuerscheinung Etwa 40 % Prozent erhältlich über die Werkstattgalerie Der Bogen, Tel. 0157 889 239 67

AlphabetikonCover

Further reading

Vertiefend zu ‚Alphabetikon‘ lesen Sie bitte das Kollegengespräch mit Haimo Hieronymus. Zum Thema Künstlerbucher lesen Sie bitte auch den Artikel von J.C. Albers. Probehören kann man seit Januar 2013 das Monodram Señora Nada in der Reihe MetaPhon. Und auch die Hörspielfassung von Unbehaust ist in der Reihe MetaPhon auf vordenker.de zu hören.

Eine limitierte Auflage des Hörbuchs Prægnarien von 50 Exemplaren ist versehen mit einer Originalgraphik von Haimo Hieronymus. Edition Das Labor, Mühleim an der Ruhr 2013

Bestellung des Hörbuchs über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de

Bilder der Prægnarien-Performance von Philipp Bracht und A.J. Weigoni sind hier zu sehen. Probehören kann man diese Live-Aufnahme auf MetaPhon. Ein Video von Frank Michaelis und A.J. Weigoni hier. Bewegte Bilder unter und eben: HIER.

Die Aufnahmen sind in HiFi-Stereo-Qualität erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de

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Erster Logo-Entwurf für die Edition Das Labor von Peter Meilchen.

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Das Magazin Kulturnotizen (KUNO) reflektiert entstehende Kunst, Musik und Poesie – mit Online-Archiv. Mehr Informationen.

Das lyrische Gesamtwerk von A.J. Weigoni im "Schuber"

Künstlerbücher

Zum Thema Künstlerbücher finden Sie hier einen Essay sowie einen Artikel von J.C. Albers.

Ohrenzwinkern

Coverphoto: Leonard Billeke

In der Reihe MetaPhon sind Facetten der multimedialen Kunst zugänglich.

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Vertiefend zu ‚Alphabetikon‘ lesen Sie bitte das Kollegengespräch mit Haimo Hieronymus.

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Twitteratur

Hier ein Essay über die neue Literaturgattung Twitteratur.

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