Vom Erhabenen zum Grotesken

10. Februar 2012
Von

„Das eigentliche Vergnügen an der Arbeit des Schriftstellers“, erklärte der amerikanische Autor Walker Percy, „sind die Kontraste zwischen dem Schreiben als Möglichkeit, das Leben zu ordnen, und der darin berichteten alltäglichen Unordnung“. Solche Kontraste sind auch im Werk des Olaf von der Heydt sichtbar. In seinem Roman, »Die Mission«, läßt von der Heydt den Kommissar Holger Heinick allmählich den Bezug zur Wirklichkeit verlieren. Er kommuniziert, im abgeschnittenen Infinitiv der Sprechblasen von Comics zu können, weil diese Redeform die eheste Gegenwart ist. Man fragt sich ob man Zeitgeschichte auch in dem Sinn verstehen lasse, daß Zeit übereinandergeschichtet wird. Um das Gewicht dieser geschichteten Zeit aus halten zu können, würden selbst Comic–Superhelden die Mundwinkel vor Weltekel nach unten hängen. Olaf von der Heydt beschreibt in nüchternen Sätzen, emotionslos und klar, wie das Leben dieses Kommissars aus den Fugen gerät. Es ist eine satirische Mischung aus Kriminalroman, Agententhriller und Science–Fiction–Story, die irrwitzige Antworten auf die Fragen nach Gott, dem Universum und allem gibt. Die Germanistik, die lieber gute Literatur von guten Menschen behandelt, verachtet SF–Literatur und übernimmt diese Wertung, die sich auch ohne weiteres mit einschlägigen Titeln belegen läßt.

Olaf von der Heydt gehört zu der Generation „Kassettenkinder“, einem Kulturphänomen der alten BRD. Diese analoge Abspielmöglichkeit auf Magnettonband begleitete Kinder durch die 1980er Jahr, wodurch eine spezielle Form von Hörspielkollektivgedächtnis entstanden ist, aus dem sich ein sentimentaler Retro-Kult speist. Die Hörspielhelden der Kindheit scheinbar sind viel tiefer im Gedächtnis dieser Kids verankert, als es Protagonisten aus Büchern, Filmen oder gar aus dem Radio je sein könnten. Da Kinder ihre Lieblingskassetten wieder und immer wieder anhören, kennen sie die Geschichten Wort für Wort auswendig. Und dies  meistenfalls auch für  den Rest ihres Erwachsenenlebens. Vor daher erscheint es „normal“, daß Menschen über 30 sich „Fünf Freunde“-, „Drei ???“- oder „TKKG“-Abenteuer auch weiterhin anhören.

Inzwischen hat er auch selber Hörspiele geschrieben. Mehr darüber hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

In eigener Sache

Das Magazin Kulturnotizen (KUNO) reflektiert entstehende Kunst, Musik und Poesie + Online-Archiv. Mehr Informationen.

630 – Buch/Katalog-Projekt

Mit den Vignetten definierte A.J. Weigoni eine Literaturgattung neu. Die Novelle erscheint am 27.10. 2018 in der Umsetzung als Hörbuch und das Buch/Katalog-Projekt 630 zur Ausstellung von Peter Meilchen.

Künstlerbücher

Zum Thema Künstlerbücher hier ein Essay. Vertiefend ein Kollegengespräch mit Haimo Hieronymus. Das Fotobuch Zyklop I erscheint im September 2018 in einer limitierten Auflage.

Ein Gesamtkunstwerk

Das lyrische Gesamtwerk von A.J. Weigoni im "Schuber"

Jeder Band aus dem Schuber von A.J. Weigoni ist ein Sammlerobjekt. Und jedes Titelbild ein Kunstwerk! KUNO fasst die Stimmen zu dieser verlegerischen Großtat zusammen.

Ohrenzwinkern

Coverphoto: Leonard Billeke

In der Reihe MetaPhon sind Facetten der multimedialen Kunst zugänglich.

Twitteratur

Ein Essay über die Literaturgattung Twitteratur. – Poesie ist ein identitätsstiftende Element unsrer Kultur, lesen Sie auch KUNOs poetologische Positionsbestimmung.

Rückspiegel

Edition Das Labor

Die ausführliche Chronik des Projekts Das Labor lesen sie hier. Eine Übersicht über die in der Edition realisierten Künstlerbücher, Bücher und Hörbücher finden Sie hier.