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16. Mai 2013
Von

Wir sind in die Welt gevögelt und können nicht fliegen

Werner Schwab

Mit dem nachfolgenden Band flug (spuren) setzt die Lyrikerin Sophie Reyer fragile und doch kraftvolle, sinnlich konkrete Miniaturen vor und vertraut auch hier auf die Überzeugungskraft leiser Töne. Auch in diesem Band findet sich eine formale Vierteilung. Sie beginnt mit miniaturen (froschperspektive), setzt sich fort in kleinzeiler (parallelprojektionen), unter denen sich die größte Anzahl von Lyrismen findet und schwingt sich schließlich auf zu stream  (vogelperspektive), dem abschließend in einem epilog: froschperspektivesind sieben ganz kurze Gedichte nachgeordnet sind, die man als eine Art geläuterte Rückkehr zum Ausgangspunkt verstehen kann. Diese Lyrik führt oft Geistergespräche, sie erhört die Stimmen der Vergangenheit, lauscht dem Kommenden seine Geheimnisse ab und gibt dem Hier und Jetzt eine Gestalt.

Reyer ist ein Wortspielerin, eine Fährtenlegerin, eine Wörter– und Kleinigkeiten–Sammlerin. Es gelingen ihr Momentaufnahmen einer beschädigten Welt und zarte Skizzen der Hinfälligkeit. Ihre Gedichte sind nie schwer und schwarz, sondern bei allen Melancholien immer licht und transparent. Es ist ein postminimaler Sound mit Gespür für Tiefe und Eleganz, eine Leichtigkeit, mit der Reyer Dinge zu verknüpfen versteht, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören, das Jonglieren mit verschiedenen Partikeln, die, einmal in die Luft geworfen, ein paar unerwartete Drehungen vollführen, bevor sie an unvorhergesehener Stelle wieder aufgefangen werden. Man muß als Leser ständig mit dem Unerwarteten rechnen. Als ausgebildete Musikerin weiß die Lyrikerin genau wo ein Kontrapunkt zu setzen ist oder wo sie hinter dem Beat bleiben kann. Aus wenigen Wörtern entsteht in diesem Band ein atmosphärisch dichter Mikrokosmos, der gänzlich frei von den üblichen lyrischen Klischees vielerlei poetische Verblüffungen birgt. Eine Verunsicherung im heilsamsten Sinn.

 

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flug (spuren) von Sophie Reyer, edition keiper, 2012

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