The vera stange tapes

Innovation durch DIY-Kultur

The „Vera strange tapes“, Inszenierung: Helga Dürr. uraufgeführt von Thomas Suder, Sylvie Masczyk, A.J. Weigoni und Frank Michaelis

A.J. Weigoni und Frank Michaelis waren Pioniere des Kassettenuntergrunds. Sie gehören zu den herausragenden Persönlichkeiten einer subkulturellen Bewegung, die in den 1980er Jahren entstand. Diese Ära war geprägt von einer künstlerischen Rebellion gegen die kommerziellen Strukturen der Musikindustrie. Weigoni und Michaelis prägten den Kassettenuntergrund durch ihre unkonventionellen Herangehensweisen an Musik/Literaturproduktion und -distribution.

Einer der grundlegendsten Aspekte des Kassettenuntergrunds ist die „Do-it-yourself“-Philosophie, die Weigoni und Michaelis verkörperten. Sie produzierten ihre Musik/Literaturproduktion unabhängig, in Heimstudios, und veröffentlichten sie auf Kassetten. Diese Form der Produktion ermöglichte es ihnen, ihre kreativen Visionen ohne die Einschränkungen traditioneller Labels zu verwirklichen. Die Kassetten wurden in geringem Umfang hergestellt und oft direkt an Freunde, Fans oder auf Konzerten verkauft.

Weigonis und Michaelis trugen auch zur Vernetzung innerhalb der nonkonformistischen Literaturszene bei. Sie initiierten Tauschbörsen und Plattformen, die es Künstlern ermöglichten, ihre Werke zu präsentieren und sich gegenseitig zu unterstützen. Dadurch entstand ein dichtes Netzwerk, das nicht nur den musikalischen Austausch förderte, sondern auch den sozialen Zusammenhalt innerhalb der Subkultur stärkte.

Das Vermächtnis von A.J. Weigoni und Frank Michaelis im Kassettenuntergrund bleibt unvergessen. Sie haben eine Generation von Künstlern inspiriert, die den Mut haben, ihre Stimme unabhängig und authentisch zu erheben. Ihre Arbeit lehrt uns, dass echte Kunst oft jenseits der Mainstream-Welt entsteht, und dass die Grenzen der Kreativität nur durch den eigenen Einfallsreichtum beschränkt sind.

 

***

the vera strange tapes, Tanztheaterstück von A.J. Weigoni, Frank Michaelis, Helga Dürr und Sylvie Masczyk, 1989

Wie das englische Wort lyrics (für Liedtext) verrät, basierten die antiken Vorläufer der Popmusik auf Texten, die zu den Klängen der Lyra vorgetragen wurden. Tonmeister Tom Täger hat das 1989 produzierte Tape the last pop-songs (vom DAT) digital remastered. Frank Michaelis und A.J. Weigoni haben die Energie und die Einfachheit von Pop genutzt, um komplexere Emotionen auszudrücken. Es ist beeindruckend, wie unbekümmert sie Stile, Genres und Ausdrucksmittel mischen. So entsteht eine intermediale Literatur, Poetry slams und Songtexte werden als künstlerische Artefakte wahrgenommen, die es mit ‚klassischer‘ Literatur aufnehmen kann. Sie hören ein Denkspiel über Pop, das selbst Pop ist, weil es Pop als körperverwandelndes Medium versteht und Popgeschichte als Mediengeschichte. MetaPhon präsentiert in der Reihe Revisited einen Rückblick auf „The Best Of Jugendsünden“.