gesang eins

 

 

auf einmal wurde die landschaft hügelig

buckelwale duckten ihre rücken im gras

alle halme bewegten sich im gleichklang

die musik musste von fernher kommen

hinter dem gebirge wechselte der himmel seine farben

Şirin sang

von der küstenebene drang kriegsgeschrei heran

die wale erstarrten im abendlicht

so dass ihre körper aussahen wie gebrannter ton

selbst der himmel erinnerte an irdenes

steinzeug

ich lief schneller

auf einmal hörte ich ein schnauben und toben

die buckelwale hatten sich aufgerichtet

und flohen in die dunkelheit der nahenden nacht

Şirin sang weiter

das kriegsgeschrei näherte sich

entfernte sich wieder

und verstummte im letzten ton des lieds

 

dann hörte ich nur noch deinen atem

 

 

 

 

 

***

heimwehe. gesänge von Werner Weimar-Mazur. Dortmund (Edition Offenes Feld, Hrsg. Jürgen Brôcan). 2022.

Weiterführend → Ein Rezensionsessay von Holger Benkel zu diesem Band findet sich hier.

→ Eine Würdigung von hautsterben durch Ulrich Bergmann finden Sie hier. Poesie zählt für KUNO weiterhin zu den identitäts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer poetologischen Positionsbestimmung. Auf KUNO lesen Sie u.a. einen Rezensionsessay von Holger Benkel über Werner Weimar-Mazur. Wir begreifen den Essay auf KUNO als eine Versuchsanordnung, undogmatisch, subjektiv, experimentell, ergebnisoffen.