Auf den Hund gekommen

 

Selbstfindung ist ein bereits fern erscheinender Begriff aus der Entwicklungspsychologie. Er beschreibt einen in der Pubertät beginnenden Prozess, durch den ein Mensch versucht, sich in seinen Eigenheiten und Zielen zu definieren, vor allem in Abgrenzung von der Gesellschaft und ihren Einflüssen.

Selbstfindung fand in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderte vom allem in Indien statt, meist mit Hilfe eines sogenannten Gurus. Was erfährt ein deutschsprachiger Autor im 21. Jahrhundert in Mumbai?

Einen Hinweis liefert der Werbetext des Verlages:

„Philipp Baar liefert ein ungewöhnlich authentisches Stück Reiseliteratur mit Fokus auf Mumbais Unterwelt. Sein „Unterwegs“ ist, bei aller Dekadenz, aber auch eine Liebesgeschichte in Zeiten der Globalisierung und eine Ode an den Subkontinent.“

Authentisch soll es sein, als durch den Autor beglaubigt. Authentizität bezeichnet eine kritische Qualität von Wahrnehmungsinhalten (Gegenständen oder Menschen, Ereignissen oder menschliches Handeln), die den Gegensatz von Schein und Sein als Möglichkeit zu Täuschung und Fälschung voraussetzt. Als authentisch gilt ein solcher Inhalt, wenn beide Aspekte der Wahrnehmung, unmittelbarer Schein und eigentliches Sein, in Übereinstimmung befunden werden. Die Scheidung des Authentischen vom vermeintlich Echten oder Gefälschten kann als spezifisch menschliche Form der Welt- und Selbsterkenntnis gelten.

Erschienen ist der Band in der Edition Subkultur. Auch hierzu ein Originalzitat:

„Die Edition Subkultur ist ein Label für Literatur und Musik. Unter Subkultur.de/com haben wir bereits über in den 1990er Jahren Erfahrung mit Independent-Kultur gemacht und sehen uns nun genötigt, dem allgemeinen Showdown-Gehabe etwas entgegenzusetzen. Die Künstler jammern, die Konsumenten loaden down.  Die digitalen Medien werden als Segen und Fluch wahrgenommen. Wir erleben, dass bei den Künstlern ganz zurecht der Frust überwiegt. Und so wollen wir den Zeichen der Zeit gerecht werden und nach dem Weltuntergang durchstarten.“

KUNO hat seit jeher ein Faible für Trash. Dem Begriff Trash haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer öffentlichen Institution. In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsmöglichkeiten von populärkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Der Essay Perlen des Trash stellt diese Reihe ausführlich vor. Daher sei sei Enno Stahls fulminantes Zeitdokument Deutscher Trash ebenso eindrücklich empfohlen wie Heiner Links Vorwort zum Band Trash-Piloten. Ebenso verwiesen sei auf Trash-Lyrik.

 

 

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Der dreibeinige Hund lacht. Ein authentisches Roadmovie und eine Ode an Indien, den Rausch und die Liebe, von Philipp Baar. Edition Subkultur, 2019

Eine Leseprobe findet sich hier.