Aus: TAGEBUCH DES EXILS

 

Du bist fort vorm herbst

das bett aufgeschlagen

im wohnungsschuppen

das heft der annalen

 

In die stadt kommt

abendkälte   die straßen

verebben   mädchen

gehn an plakaten

 

Was suchst du in der bucht

was suchst du auf der insel

die fragen der flut

ein aug dich zu spiegeln

 

Mit pökelfleisch

wird sie dich behandeln

dann wird sie

unverständliches stammeln

 

Mein herz hat sich tief

in die kälte getragen

ich kann nicht sprechen

so lange vergraben

 

Die flut steigt langsam

Delphine treiben

an land   inn straßen

gehen menschenleiber

 

 

 

***

Rohlieder I – X von HEL, KUNO 2018

HEL ist bekannt geworden als Publizist gesellschaftskritischer Lyrik sowie Essays. Nach dem Zyklus Zeitgefährten, die zwischen 1977 – 2008 entstanden sind, veröffentlicht KUNO die Reihe Rohlieder I – X, die dank Caroline Hartge neu ediert worden sind. Diese Gedichte legen eine Stimmung frei, die zwischen Melancholie und Unbeschwertheit, Wehmut und Klarheit wechselt.

Weiterführend →

Eine Würdigung von HEL findet sich hier. Eine faszinierend langer Briefwechsel zwischen Ulrich Bergmann und HEL findet sich hier. Eine Hörprobe des Autors findet sich auf MetaPhon.

 

Anmerkung:

für Don