Spazieren gehen

Was heißt das schon, mal kurz eine Stunde spazieren gehen?

Wer Nichtprovinzler ist, der denkt jetzt wahrscheinlich an diesen Schlenderblödsinn, dieses städtische Scharwenzeln und Flanieren durch die Einkaufspassagen und netten Parke innerhalb der urbanen Banalität. In der Provinz ist das etwas anders. Hier geht es in die Wirklichkeit des Draußenseins.  Wer kurz mal eben eine Stunde spazieren gehen möchte, der zieht sich wetterfeste Sachen an, festes Schuhwerk und ist in ordentliche Jacken gekleidet, Schal, Handschuhe und natürlich eine warme Mütze, damit Glatze oder Ohren gut geschützt sind. Der Hund freut sich und läuft aufgeregt in enger werdenden Kreisen. Hier ist gerade kein Sommer, sondern Winter, klirrende Kälte. Eine Stunde spazieren gehen ist die gefühlte Stunde, die es braucht, damit der abschließende heiße Kaffee nicht nur gut schmeckt, sondern gebraucht wird und sei es nur, um die eiskalten Finger daran zu wärmen. Das können schon mal zweieinhalb Stunden sein. Der Hinweg über normale Wege, ein Rückweg über Stock und Stein. Ihr regt euch jetzt auf, das wäre eine Wanderung?

Eine Wanderung ist natürlich ein Tagesprojekt, soviel muss mal klar sein. Alles unter drei Stunden ist ein Spaziergang.

 

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Das Mittelmaß der Welt, unerhörte Geschichten von Herrn Nipp, dokumentiert auf KUNO 1994 – 2019

Weiterführend → 

Zu einem begehrten Sammlerstück hat sich die Totholzausgabe von Herrn Nipps Die Angst perfekter Schwiegersöhne entwickelt. Zudem belegt sein Taschenbuch Unerhörte Möglichkeiten, daß man keinen Falken mehr verzehren muss, um novellistisch tätig zu sein. Herr Nipp dampft die Gattung der Novelle konsequent zu Twitteratur ein. Und außerdem präsentiert Haimo Hieronymus ab 2017 Über Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher aus den Notizbüchern des Herrn Nipp.