Letzter Gruß

Als er aufwachte an diesem Samstagmorgen, schob sich gerade eine schleierhafte Nebelschicht aus den Feldern über die Straße. Der Schlaf im Beifahrerstuhl eines Reisebusses kann kaum die Funktion erfüllen, erholsam zu sein. Ein halbwacher Dämmerzustand vielmehr, der immer wieder daran zweifeln lässt, ob dieser Job hier denn der richtige sein könnte. Auf diese Weise wird lediglich die Zeit überbrückt, Sinnvolles kommt dabei nicht zustande. So hatte auch Herr Nipp ein seltsam zerdrücktes Gefühl, wie oft war ihm der Kopf zur Seite – ins Nichts – gefallen. Das sah von außen betrachtet mehr als gefährlich aus, immer musste man damit rechnen, dass das Haupt aus seiner Verankerung gelöst werden und dann ungehemmt durch den Bus rollen könnte. Anlass für ein leicht tollpatschiges Fußballmatch mit Regeln, die noch ausgedacht werden mussten. Seine Hände immerhin hatten sich in einer recht altertümlichen Gebetshaltung im Schoß gefangen. So war der Nacken natürlich völlig verspannt, die Beine eingeschlafen, der Körper fühlte sich unwohl an. Der Himmel zeigte eine lachsfarbene Erscheinung, die im Herbst die größte Pracht entfaltet. Die Sonne kündigte sich an, ein wohliger Tag, letzter Gruß jener toskanischen Woche, die er hatte erleben dürfen.

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Das Mittelmaß der Welt, unerhörte Geschichten von Herrn Nipp, dokumentiert auf KUNO 1994 – 2019

Weiterführend → 

Zu einem begehrten Sammlerstück hat sich die Totholzausgabe von Herrn Nipps Die Angst perfekter Schwiegersöhne entwickelt. Zudem belegt sein Taschenbuch Unerhörte Möglichkeiten, daß man keinen Falken mehr verzehren muss, um novellistisch tätig zu sein. Herr Nipp dampft die Gattung der Novelle konsequent zu Twitteratur ein. Und außerdem präsentiert Haimo Hieronymus ab 2017 Über Heblichkeiten, Floskeln und andere Ausrutscher aus den Notizbüchern des Herrn Nipp.