Der Titel lädt dazu ein, das Bild als Metapher zu verstehen. Katja Butt erschafft keinen idyllischen Naturraum, sondern hinterfragt das Verhältnis zwischen Konstruktion (Mensch/Architektur) und Wachstum (Natur).

Trotz der harten Kanten fließen kreisförmige und dynamische Linien um die Formen. Im linken oberen Bereich ziehen sich feine, grüne, vertikale Linien wie organische Ranken oder Pflanzenfäden am Gebilde hinauf.
Das Bild vermittelt die Anmutung einer architektonischen oder skulpturalen Konstruktion im Raum, die sich im Zustand des Aufbaus, des Schwebens oder des Zerfalls befindet. Vor einem gleichmäßigen, sand- oder beigefarbenen Hintergrund erstreckt sich eine vertikal orientierte, monumentale Struktur aus geometrischen und organischen Elementen. Der Titel „Der Garten“ kontrastiert stark mit dem ersten visuellen Eindruck, da keine klassischen floralen Elemente dominieren, sondern vielmehr geometrische, fast betonartige Körper.
Bei Butt ist die Konstruktion das Ephemere, etwas Vorübergehendes. Die harten, kubistischen Konturen sind nur das Korsett, das eine nervöse Epoche sich selbst anlegt, um nicht vor der eigenen Vergänglichkeit zu erschrecken.
Die stapelartigen Elemente erinnern an Pflanzkübel, urbane Architekturen oder ein abstrahiertes Gewächshaus. Das zarte Grün, das sich an der grauen Struktur emporschiebt, zeigt das unaufhaltsame, organische Leben, das sich an den künstlichen, geometrischen Formen festhält. Es ist anscheinend eine Reflexion über den „urbanen Raum“ als modernen Garten – eine vom Menschen konstruierte Umgebung, in der Natur und Geometrie in einem fragilen Gleichgewicht koexistieren.
Die Künstlerin zieht eine Linie, das Kraut sprengt den Asphalt. Die Architektur siegt nur im Moment des Trocknens; danach beginnt bereits die Zersetzung durch das Lebendige.
Das Wachstum ist bei Katja Butt nicht friedlich. Es hat die Aggressivität des Überlebenswillens. Während der Mensch versucht, seinen Körper und seine Umwelt in sterile, geschlechtslose Formen zu pressen, antwortet die Natur mit einer unbändigen, formlosen Fülle. Sie hinterfragt nicht das Verhältnis von Mensch und Raum – sie zeigt dessen Brutalität. Am Ende steht nicht die Harmonie, sondern die Erkenntnis: Jede Konstruktion ist nur eine kurze Atempause im unaufhaltsamen Wuchern der Welt.
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Weiterführend → Katja Butt erhielt in Anerkennung ihres künstlerischen Werks das Hungertuch für Bildende Kunst 2007. – Ein Recap des Hungertuchpreises.