Bang Bang (My Baby Shot Me Down)

Sehen einer neuen Form des Kinos zu, das sich aus unendlich vielen Versatzstücken zusammensetzt, oder sehen wir dem Auseinanderfallen des Kino-Epos in seine Bestandteile zu?

Quentin Tarantinos Stärke liegt in der Adaption von verschiedenen künstlerischen Konzepten, die er nach Belieben miteinander vermengt und damit etwas im jeweiligen Kontext als „neu“ geltendes schafft, was aber letztlich immer eine – wenn auch durchaus kreative – Rekonstruktion bestehender Ideen ist. Er ist ein Lügner, der uns Dinge vorgaukelt, auf die wir immer wieder hereinfallen. Sehr schön zu betrachten an dem Racheepos Kill Bill, der ausschließlich auf Zitaten besteht. Dieser Film arbeitet mit vorhandenen Strukturen, ein musikalisch-textlich-performatives Rollenspiel. Und natürlich liegt genau darin der Reiz. Tarantino wiederholt nicht, er schafft neue Kontexte, in denen Kunst sich entsprechend neu entfalten kann, er reorganisiert Vorhandenes und schafft damit eine neue Ästhetik.

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In der Reihe Gossenhefte zeigt sich, was passiert, wenn sich literarischer Bodensatz und die Reflexionsmöglichkeiten von populärkulturellen Tugenden nahe genug kommen. Dem Begriff Trash haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer öffentlichen Institution. Constanze Schmidt beschreibt den Weg von Proust zu Pulp. Es sei Enno Stahls fulminantes Zeitdokument Deutscher Trash ebenso eindrücklich empfohlen wie Heiner Links Vorwort zum Band Trash-Piloten. Ebenso verwiesen sei auf Trash-Lyrik.