Zu Wort kommen lassen

Die wirkliche Freiheit erfordert Aufmerksamkeit und Offenheit und Disziplin und Mühe und die Empathie, andere Menschen wirklich ernst zu nehmen und Opfer für sie zu bringen, wieder und wieder, auf unendlich verschiedene Weisen, völlig unsexy, Tag für Tag. Das ist wahre Freiheit.

David Foster Wallace

Radio–Machen ist ein Medium, bei dem man Behinderung nicht sieht. Bei dem Hör–Spiel–Projekt Zur Sprache bringen… steht das Geschichten–Erzählen und die gemeinsame Arbeit von „Menschen mit Möglichkeiten“ im Vordergrund. Die Hörer spricht die Direktheit der dargestellten Konflikte an, auch die Ungeschütztheit, mit der berichtet wird, sowie eine gewisse Dringlichkeit des Tons. Es ging darum zuzuhören und eine Medienerfahrung zu machen. Ich ermunterte die Bewohner dazu, Geschichten zu erzählen. Zu erzählen mit dem natürlichen Charme, der ihnen angeboren ist. Hier wurde nicht geschönt, vertuscht, verheimlicht, hier konnte man Fehler machen.

Wie wird Radio gemacht – wie mache ich Radio?

Zuerst ging es darum, den Bewohnern die Angst vor dem Mikrophon nehmen, denn ein Mikrophon ist auch nichts anderes, als Messer und Gabel beim Essen, ein Werkzeug. In der weiteren Arbeit wurde mit den Defiziten offensiv gearbeitet und dadurch dem Medium die Unschuld zurückgeben. Zur Sprache bringen… ist ein Beitrag von Menschen mit Möglichkeiten mit den zentralen Botschaften: Teilhabe verwirklichen, Gleichstellung durchsetzen, Selbstbestimmung ermöglichen. Das Projekt hält sich eng an den Leitsatz: „Nichts über uns ohne uns“!

Emanzipatorischer Sprech–Akt: Menschen mit Behinderung sind auch die Verkörperung von Unvollkommenheit. Nichts fordert unsere moderne Gesellschaft mehr als Perfektion.

Teilhabe ist ein Schlüsselwort unserer Zeit, sie wird viel beschworen und wenig realisiert. Dieses Hörspiel hat Öffentlichkeit hergestellt, es wurde auf DeutschlandRadio Kultur urgesendet, es ist auf CD erschienen und in der Reihe MetaPhon in Internet recherchierbar, man kann es dort im mp3-Format anhören.

 

Weiterführend

Ein Hinweis zu einem essayistischen Text über Literaturpädagogik.