Stephanie Neuhaus in der Werkstattgalerie Der Bogen

13. Januar 2012
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Wie bereits bei ihrem ersten Künstlerbuch »Schattenfluss« läßt sich auch bei ihrem neuen Künstlerbuch die Arbeit von  mit drei Schlagworten beleuchten: Nüchtern, beobachtend und pointiert.

In »Fund a Mente« geht sie einen Schritt weiter, nutzt Zinkplatten als Hochdruck und beschränkt sich konsequent auf die Trennschärfe zwischen Schwarz und Weiß. Der Titel verweist darauf, daß die Grundlagen der Betrachtung schwankend geworden sind, was bleibt sind Schnitte und Ausschnitte. Der Betrachter konstruiert seinen Sinnzusammenhang selbst.

Unabwendbar für Architekturen allemal, daß diese auf haltbaren Fundamenten ruhen, die nicht einfach dahingehen können. Eine statische Sicherheit finden. Über den Moment hinaus. Nach dem ersten ihrer Künstlerbücher, die sich mit ästhetischen Untersuchungen architektonischer Möglichkeiten und Grenzen ihrer Wahrnehmung befassen, „Favelas“, schaut Stephanie Neuhaus nun unter die Gebäude und befragt mit »Fund a Mente« die wacklige Basis. Wie gewohnt rau und vereinfachend entstehen auf dem Weg des Schneidens von Zinktafeln geometrische Figuren, die ganz knapp an den Gewohnheiten unserer Betrachtung vorbeischrammen, an den Oberflächen glatter Kühle schmerzhafte Wunden hinterlassen und den Betrachter voller verwunderter Fragen zurücklassen. Da werden die Formen seltsam gestaucht, an fragwürdigen Stellen verstümmelt, manchmal scheinbar überlagert. Das gebrochene Schwarz der Drucke läßt das neue Künstlerbuch authentisch erscheinen, denn überall könnten diese Brüche entstehen. Mit der Zeit liest man sich sogar in diese eigene Ästhetik ein.

Stephanie Neuhaus ist auch mit ihrem neuen Buch ein weiterer Pflastersteinwurf gelungen, der absichtlich schmerzhaft auf die Augen zielt und wie ganz nebenbei mit Wucht trifft. Die Artistin verfolgt abermals das Ideal eines Künstlerbuches, sie untersucht das Wesen des Schlagschattens in ihren Schnitten. Ein Buch für Liebhaber der schwarzen Kunst.

 

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Regalien – Was uns verbindet, ist das Papier –

Vernissage: 15. Januar 2012, 17.00 Uhr

Einführung: J.C. Albers

+ eine poetische Performance von Phillip Bracht & A.J. Weigoni

Künstlerbücher und Arbeiten aus dem Umfeld von

Pia Bohr, Almuth Hickl, Haimo Hieronymus, Karl-Heinz Hosse, Birgit Jensen, Stephanie Neuhaus, Ulrich Johannes Müller, Florian Müller, Yanic Roßmann und Denise Steger

Dauer der Ausstellung: 16.01 – 04.02. 2012

Werkstattgalerie DER BOGEN | Möhnestraße 59 | 59755 Arnsberg-Neheim

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