Holger die Hörspielgurke

4. März 2012
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Dennis Rohling spielt seit mehr als 10 Jahren in unregelmäßigen Abständen Theater und hat so seine Leidenschaft für darstellende Kunst entdeckt. Er bekennt sich zu einem Theater, das die Wirklichkeit aufs Spiel setzt und mit der Wirklichkeit spielt, damit man sich ihr anpasst. Rohling hat sich nie als Theoretiker verstanden, gar nicht so selten bezeichnete er sich sogar als ungebildet. Koketterie ist das nicht, es beschreibt einen unverstellten Zugang zum Theater. Was auf der Bühne geschieht, muß Anstrengung hinter sich lassen, die Leichtigkeit, Eleganz und Präzision einer gern verrichteten, tadellos beherrschten Arbeit gewinnen. Die Beobachtung, von Menschen und den Verhältnissen, in denen sie leben, ist die Grundlage solcher Arbeit. Professionell wertet er diese Leidenschaft im Hörspiel aus, so lange hat er gebraucht, um das nervige “Lern lieber was Ordentliches” und “Damit hast du doch eh keinen Erfolg” an sich abperlen zu lassen und seinen eigenen Weg zu gehen.

Dennis Rohling gehört zu der Generation „Kassettenkinder“, einem Kulturphänomen der alten BRD. Diese analoge Abspielmöglichkeit auf Magnettonband begleitete Kinder durch die 1980er Jahr, wodurch eine spezielle Form von Hörspielkollektivgedächtnis entstanden ist, aus dem sich ein sentimentaler Retro-Kult speist. Die Hörspielhelden der Kindheit scheinbar sind viel tiefer im Gedächtnis dieser Kids verankert, als es Protagonisten aus Büchern, Filmen oder gar aus dem Radio je sein könnten. Da Kinder ihre Lieblingskassetten wieder und immer wieder anhören, kennen sie die Geschichten Wort für Wort auswendig. Und dies  meistenfalls auch für  den Rest ihres Erwachsenenlebens. Vor daher erscheint es „normal“, daß Menschen über 30 sich „Fünf Freunde“-, „Drei ???“- oder „TKKG“-Abenteuer auch weiterhin anhören.

Im Sinne Benjamins ist der vielseitige Schauspieler  als Komponist, Schauspieler und Produzent unterwegs. Im 21. Jahrhundert ist der User auch Produzent und so hat das Multitalent selbstverständlich auch sein eigenes Label. Dennis Rohling verdankt der Produktion »Holger die Hörspielgurke« gleich zwei Legenden: Den nervigsten Titelsong-Ohrwurm und die Rolle, mit der er immer wieder verglichen wird. Er bekommt Protestemails von Müttern, deren Nerven blank liegen, weil ihre Kinder seit Wochen ‚Holger’ hören und den Titelsong singen. Eine Hommage an diese Kinder gab es ja bei »Holger die Hörspielgurke – Das Mädchen mit dem Gurkenohrring«. Die kleine Lena war die Verkörperung des in der Tat existierenden Holger-Fan-Typs. Als Darsteller begibt sich Dennis Rohling dort hin, wo niemand mit ihm gerechnet hat, und lässt die Wirklichkeit Regie führen. Irgendwas passiert immer – vielleicht brüllt einer, vielleicht schlägt einer zu, vielleicht wird nur alles wieder unendlich peinlich. Produzieren von Spaß – geht das? Dennis Rohling beherrscht diesen Arbeitsvorgang, weil Spaß für ihn heißt, an Bösem nichts zu verschweigen und das Publikum dennoch in ihrem Lebenswillen zu bestärken. Durch eine Kunst, die sowohl in souveräner als auch in kindlicher Weise Spiel bleib.

Inzwischen hat er ein Label gegründet und produziert selber Hörspiele. Mehr über seine Arbeit hier.

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