Der Kinosaal ist die Apotheke des verlorenen Kindes. Nicht die Sterne leuchten dort oben, sondern der Kohlefaden des Projektors, der den Staub der Nachmittage verbrennt. Was die Welt eine Saga nennt, ist in Wahrheit die Topographie der Kinderzimmertischplatte, hochskaliert auf die Maße des Kosmos. Die Weite des Alls hat die Ausdehnung eines Linoleums, auf dem die Raumschiffe aus Kunststoff ihre Spuren hinterlassen, unsichtbar und doch unlösbar eingebrannt in das Gedächtnis des Blicks.
Die Dialektik des Imperiums vollzieht sich im Triumph des Rädchens über den Halm; doch seine Ohnmacht wird dort offenbar, wo die Technik fehlerfrei funktioniert. Der Todesstern ist die absolute Vernunft, die im Vakuum des Alls an ihre eigene Unfehlbarkeit glaubt.
Die Maske ist kein Panzer der Macht, sondern ein Sarg. Darth Vader atmet wie eine alte Dampfmaschine, die im Bahnhof stehen geblieben ist und vergessen hat, wohin sie fahren sollte. Dieses gleichmäßige, maschinelle Ein- und Ausströmen schneidet die Luft durch; es ist der akustische Beweis dafür, dass der Mensch bereits abmontiert und durch ein Geräusch ersetzt wurde. Wer Vader fürchtet, fürchtet das Ventil, das den Druck der eigenen Seele entweichen lässt, bis nur noch Hülle und Mechanik übrig bleiben.
Luke Skywalkers Hand, die in der Wolkenstadt abgeschlagen und durch ein Geflecht aus Drähten und künstlicher Haut ersetzt wird, bildet das eigentliche Scharnier dieses Kosmos. Das Fleisch wird maschinisiert, während die Maschine – im Schicksal des goldenen C-3PO oder des pfeifenden R2-D2 – vermenschlicht wird, indem sie Angst, Treue und Schrullen entwickelt.
In Das Imperium schlägt zurück gerät die Zeit in die Kältekammer. „Ich liebe dich“ – „Ich weiß“. Zwei Sätze, hart wie das Karbonit, in das der Held gegossen wird. Das ist das eigentliche Zentrum der Trägheit: Nicht der Sieg der Finsternis, sondern die Erstarrung der Geste. Das Gefühl wird nicht gelebt, sondern archiviert wie ein Fundstück aus Pompeji. Die Liebe friert ein, damit sie den Sturz durch die Eiswüsten und Wolkenstädte übersteht, ohne zu schmelzen.
Wenn die Ewoks – diese lebendig gewordenen Spielzeuge der Urwälder – die stählernen Schreitpanzer mit einfachen Baumstämmen zertrümmern, so ist das kein Sieg der Romantik, sondern die Rache des Materials.
Am Ende brennt der Helm auf dem Holzstapel der Ewoks, im flackernden Schein niederen Feuers. Das ist der eigentliche Sturz des Imperiums: nicht die Explosion der Metallkugel im Orbit, sondern das Entblößen des Gesichts. Unter der schwarzen Kuppel kommt ein alter, kahler, schrumpfender Mensch zum Vorschein – viel zu klein für das Echo, das er über Jahre lang durch die Schluchten der Galaxis geworfen hat. Die Erlösung ist hier keine theologische, sondern eine archäologische: Man scharrt den Mythos beiseite, um den Staub darunter zu berühren.
***
Star Wars IV – VI, 1977 – 1983
Weiterführend → Das Triviale zu Kunst zu machen, ist eine Prämisse des Trash. Die Motive stammen aus Alltagskultur, Konsumwelt und aus den Medien. Heftromane werden geradezu zum Gradmesser für die in der geltenden Kultur herrschenden Beschränkungen und halten uns den Spiegel vor, sie zeigen unsere eigenen verdrängten Gelüste und eine Schmuddelvariante unserer Welt des neoliberalen, rasenden Stillstands. Der Essay Perlen des Trash stellt diese Reihe ausführlich vor. Daneben sei Heiner Links Vorwort zum Band Trash-Piloten eindrücklich empfohlen. Luther Blissett beschreibt den Weg von Proust zu Pulp.