Der Name Flying Teapot bezieht sich direkt auf das philosophische Gedankenexperiment Russells Teekanne des Philosophen Bertrand Russell. Russell argumentierte, dass die Beweislast bei demjenigen liegt, der eine unüberprüfbare Behauptung aufstellt (wie eine Teekanne, die im All kreist). Daevid Allen griff dies humorvoll auf.
In seinen Überlegungen zum Sürrealismus bemerkte Walter Benjamin in einem Essay, dass die wahre Überwindung der bürgerlichen Enge nicht in der bloßen Konstruktion von Träumen liege, sondern in der Entdeckung der „profanen Erleuchtung“ – einer materialistischen, anthropologischen Inspiration, zu der das Rauschmittel ebenso den Schlüssel liefern mag wie das religiöse Ekstaseerlebnis. Es ist genau dieses dialektische Spannungsfeld zwischen dem Absurden und dem Absoluten, in dem das Werk der Band Gong, namentlich ihre Radio Gnome Invisible Trilogy, als ein singuläres Monument des psychedelischen Zeitalters lesbar wird. Was sich dem flüchtigen Hörer als kruder Unfug oder eskapistischer Humor darbietet, enthüllt sich bei näherer Betrachtung als eine tiefgründige allegorische Konstruktion, die den Trümmerhaufen der westlichen Metaphysik mit den Mitteln der Groteske neu ordnet.
Die von Daevid Allen entworfene Mythologie des Planeten Gong operiert mit einer List, die an die jüdische Mystik ebenso erinnert wie an die kritische Theorie: Sie nimmt die rationalistische Skepsis beim Wort, um sie in ihr Gegenteil zu verkehren. Wenn Bertrand Russell seine fliegende Teekanne als Parabel für die Unbeweisbarkeit des Transzendenten ins All schoss, so fangen Gong diese Kanne mit den Händen des Surrealismus wieder auf. Die Teekanne fliegt hier nicht mehr als stummer Zeuge menschlicher Unwissenheit durch das Vakuum; sie wird zum Vehikel der Pot Head Pixies, jener grünen, koboldhaften Wesen, die den Äther mit Botschaften des Friedens bespielen. Hier vollzieht sich eine fundamentale Verschiebung: Das Unüberprüfbare wird nicht negiert, sondern im Medium des Humors kollektiviert. Der Humor ist bei Gong kein bloßes Stilmittel, sondern das einzig adäquate Erkenntnisinstrument in einer Welt, deren technischer Fortschritt ihre spirituelle Entfremdung nur noch deutlicher hervortreibt.
In der Figur des Zero the Hero begegnet uns der moderne Flâneur, der jedoch nicht mehr durch die Passagen von Paris wandert, sondern durch die kosmischen Frequenzen eines unsichtbaren Radiosenders. Zero ist der Entfremdete par excellence, ein Jedermann, der seine Erleuchtung nicht in den Hallen der Hochkultur oder den Dogmen der verfassten Religionen findet, sondern durch ein profanes Fundstück: eine magische Ohrmarke, erworben von einem obskuren Straßenverkäufer namens Fred the Fish. Diese Szenerie trägt zutiefst benjaminsche Züge. Es ist die Errettung des Unbedeutenden, das Fetischcharakter annimmt und zum Tor einer anderen Wahrnehmung wird. Das Radio selbst – in den 1930er Jahren von Benjamin noch als Medium der politischen Mobilisierung und der veränderten Sinneswahrnehmung analysiert – wird bei Gong zum metaphysischen Apparat. Radio Gnome Invisible sendet nicht, um zu indoktrinieren, sondern um die Aura des Kosmischen im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit wiederherzustellen.
Der Humor, der diese Trilogie durchdringt, ist von einer subversiven Heiterkeit, die den Ernst der Erleuchtung erst erträglich macht. Der Buddhismus und die kosmische Kommunikation, die den Kern von Allens Weltanschauung bildeten, werden nicht als starre Liturgie inszeniert, sondern als kosmisches Kinderspiel. In der Begegnung Zeros mit den Yogis im Himalaja und der Hexe Yoni bricht die Hierarchie des Sakralen zusammen. Die Erleuchtung, die im finalen Album You gipfelt, ist keine weltabgewandte Askese, sondern eine Ekstase, die sich ihrer eigenen Lächerlichkeit bewusst ist. Indem Gong das Kosmische im Kreatürlichen und das Göttliche im Kiffenden ansiedeln, verweigern sie sich der falschen Sakralisierung. Sie praktizieren eine Denkbewegung, die das Erhabene durch das Groteske hindurchrettet.
So bleibt die Radio Gnome Invisible Trilogy von Gong ein faszinierendes Dokument einer Epoche, die versuchte, die Entfremdung der kapitalistischen Moderne durch eine Re-Mythologisierung der Welt zu bekämpfen. Dass dieser Versuch nicht im reaktionären Mythos endete, verdankt er einzig dem surrealen Humor. Gong haben gezeigt, dass die Wahrheit oft ein Narr ist, der in einer fliegenden Teekanne reist – und dass das Lachen die treueste Begleitmusik auf dem Weg zur Erkenntnis bleibt.
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Philosophie des Abendlandes von Bertrand Russell, 1945)
Illuminationen, Ausgewählte Schriften von Walter Benjamin, 1961

Ein Vorgänger von Sheldon Cooper, Bertrand Russell am California Institute of Technology in Pasadena (1929), Quelle: UCLA Library
Die Radio Gnome Invisible Trilogy von Gong ist eines der skurrilsten und faszinierendsten Gesamtwerke des Psychedelic- und Progressive-Rock. Der Hintergrund der Alben Flying Teapot (1973), Angel’s Egg (1973) und You (1974) ist eine tiefgründige sowie humorvolle Mythologie, die maßgeblich vom Bandgründer Daevid Allen erdacht wurde.
Weiterführend → KUNO hat ein Faible für Trash. Dem Begriff Trash haftet der Hauch der Verruchtheit und des Nonkonformismus an. In Musik, Kunst oder Film gilt Trash als Bewegung, die im Klandestinen stattfindet und an der nur ein exklusiver Kreis nonkonformistischer Aussenseiter partizipiert. Dieser angeschmutzte Realismus entzieht sich der Rezeption in einer öffentlichen Institution. 1989 erscheint Helge Schneiders allererste Schallplatte Seine größten Erfolge. Produziert von Helge Schneider und Tom Täger im Tonstudio/Ruhr. Lesen Sie auch den Artikel Perlen des Trash über 25 Jahre Gossenhefte. Ebenso eindrücklich empfohlen sei Heiner Links Vorwort zum Band Trash-Piloten. Luther Blissett beschreibt den Weg von Proust zu Pulp.