Der Anarchisterich

 

War einst ein Anarchisterich,

der hatt’ den Attentatterich.

Er schmiss mit Bomben um sich rum;

es knallte nur so: bum bum bum.

Einst kam der Anarchisterich

an einen Schlosshof fürstelich,

und unter’m Rock verborgen fein

trug er ein Bombombombelein.

 

Nach haus kam Serenissimus,

sprach: Omnia nos wissimus,

und sprach viel weise Worte noch,

dass alles rings nach Weisheit roch.

Jedoch der Anarchisterich

mit seiner Bombe seitwärts schlich

und schmiss sie Serenissimo

unter den Rokkokopopo.

 

Und rings war alles bass entsetzt,

Durchlaucht hat sich vor Schreck gesetzt,

indes der Anarchisterich

durch eine Seitenthür entwich.

Nur einer sprang beherzt herbei,

zu helfen, was zu helfen sei.

Doch sprach er bleich: Volk höre nur,

’s ist ’ne Bomb – onniére nur.

Rings aber lag man auf dem Knie

und heulte, jammerte und schrie

und betete: Du lieber Gott,

schlag’ doch die Anarchisten tot!

Drum merk dir, Anarchisterich,

heil’ dich vom Attentatterich.

Kommst du zum Hofe fürstelich,

geht’s fürder dir für-fürchterlich.

 

 

 

 

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Erich Mühsam (Fotografie aus dem Jahr 1928, kurz vor seinem 50. Geburtstag). Quelle: Bundesarchiv.

Weiterführend → Poesie zählt für KUNO weiterhin zu den identitäts- und identifikationstiftenden Elementen einer Kultur, dies bezeugte auch der Versuch einer poetologischen Positionsbestimmung.

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